Ärzte Zeitung, 26.06.2007

H5N1 ist zurück - die Vogelgrippe-Hysterie zum Glück nicht

Experten betrachten die Infektion von Wildvögeln in Nürnberg als lokales Ereignis / Keine erhöhte Gefahr für Menschen und Geflügel

NÜRNBERG/RIEMS (mut/dpa). Nach dem Fund von bislang acht Vogelgrippe-infizierten Wildvögeln in Nürnberg herrscht weitgehend Gelassenheit. Experten gehen nicht davon aus, dass sich das Virus in Deutschland weiter ausbreitet. Auch für die Bevölkerung sehen sie keinerlei Gefahr.

Auf einem See in Nürnberg fahnden Beamte der Berufsfeuerwehr nach Vogelgrippe-kranken Schwänen. Foto: ddp

Das Vogelgrippe-Virus H5N1 ist zum ersten Mal seit zehn Monaten zurück in Deutschland, doch dieses Mal wird es nicht von hektisch anberaumten Pressekonferenzen und Kassandra-Rufen empfangen. Ganz im Gegenteil, der Bundesrat will gänzlich unbeeindruckt von den Ereignissen kommende Woche über eine Lockerung der Stallpflicht für Geflügel beraten.

Auch die zuständige Tierseuchenbehörde, das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Ostsee-Insel Riems, denkt nicht daran, seine Gefahren-Einschätzung zu ändern: Erst im April hatte das FLI das Übertragungsrisiko von H5N1 durch Wildvögel auf deutsche Hühner und Gänse von "hoch" auf "mäßig" herabgestuft, und dabei soll es nach Angaben des FLI vorerst auch bleiben, trotz der neuen Fälle in Nürnberg.

So viel Gelassenheit hat einen Grund: Nachdem sich das Virus bei seinem ersten Deutschland-Besuch vor einem Jahr nicht, wie von vielen befürchtet, unkontrolliert ausgebreitet hat, geht man nun davon aus, dass es auch künftig den deutschen Geflügelbestand verschont, solange man ein paar Sicherheitsregeln beachtet. So wurde rund um die Fundorte in Nürnberg ein Sperrbezirk mit einem Radius von vier Kilometern eingerichtet. In dem Gebiet müssen Geflügelhalter dafür sorgen, dass sich ihre Tiere in einem abgedeckten Gehege befinden. Hunde und Katzen dürfen dort nicht frei herumlaufen, sie könnten sich infizieren, wenn sie tote oder kranke Vögel fressen.

Ein Punkt hat die Experten dennoch etwas überrascht: Sie hatten die Rückkehr des Virus eigentlich zu den großen Vogelwanderungen im Frühjahr erwartet und nicht im Sommer, wenn hohe Temperaturen die Übertragung des Erregers erschweren sollten. Seit dem Ausbruch in einem Truthahn-Bestand in Tschechien vor einer Woche war aber klar, dass H5N1 wieder in der Nähe ist.

Für die Bevölkerung gilt weiterhin: Tote Tiere nicht anfassen. Verendete Wasservögel den Behörden melden. Dann, so Professor Thomas Mettenleiter vom FLI, besteht keinerlei Gesundheitsgefahr.

Lesen Sie dazu auch:
Kaum Gefahr durch H5N1

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »