Ärzte Zeitung online, 31.10.2008

Sicherheits-Forschungskomplex für Tierseuchen entsteht auf Riems

RIEMS (dpa). Bis 2010 entsteht auf der Ostsee-Insel Riems bei Greifswald ein neuer Hochsicherheitskomplex zur Tierseuchenforschung.

Bundesagrar-Staatssekretär Gert Lindemann, Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und der Präsident des bundeseigenen Friedrich-Loeffler-Instituts, Thomas Mettenleiter, legten am Donnerstag den Grundstein für den Bau. Der Komplex aus 89 Laboren und 163 Stalleinheiten soll rund 300 Millionen Euro kosten. Darin können Wissenschaftler künftig an den gefährlichen Erregern der Infektionskrankheit Ebola oder der Lungenkrankheit Sars sowie an der Pferdekrankheit Hendra oder der Schweinepest Nipah forschen.

Der Neubau ist die größte Hochbaumaßnahme des Bundes in den neuen Bundesländern. Angesichts der Gefahren von BSE, Vogelgrippe oder Blauzungenkrankheit sei professionelle Politikberatung - wie sie das Institut betreibe - äußerst wichtig, teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem schriftlichen Grußwort mit. Nach Angaben von Institutschef Mettenleiter wird der gegen Terroranschläge gesicherte Komplex auch von der technischen und infrastrukturellen Ausstattung her neben Instituten in Winnipeg (Kanada) und Geelong (Australien) zu den drei weltweit führenden Tierforschungsinstituten gehören.

Mit dem 70 000 Quadratmeter großen Neubau werde das hohe Niveau wissenschaftlicher Expertise in Deutschland weiter ausgebaut, sagte Bundesstaatssekretär Lindemann. Das Friedrich-Loeffler-Institut ist bereits jetzt nationales Referenzzentrum für 44 Tierkrankheiten und eines von weltweit 18 Instituten, die als "Collaborating Centre for Zoonoses" (Referenzzentrum für Zoonosen) Krankheiten erforschen, die von Tieren auf Menschen übertragbar sind. Das Institut arbeitet mit der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen.

Das Sicherheitssystem des Baus soll dem sogenannten Box-in-Box- System folgen, bei dem sich der sensibelste Bereich mit Hochsicherheitslaboren der weltweit höchsten Biosicherheitsstufe L4 im Gebäudeinneren befindet. Die Gebäude, in denen später auch die Virusbank mit den 500 wichtigsten Tierseuchenerregern untergebracht wird, werden mit einer dichten Bauhülle und gestaffelten Unterdrucksystemen ausgestattet, um eine Ausbreitung von Krankheitskeimen zu verhindern, wie der Planer Peter Lobsiger erklärte. In den fugenlosen Räumen werden gut zu reinigende Materialien wie Edelstahl oder Epoxid-Harz verwendet. In den Sicherheitsbereichen arbeiten die Virologen in Überdruck- Körperanzügen, die an ein Atemluftsystem angeschlossen sind.

Zum 100. Gründungsjubiläum des Instituts im Oktober 2010 soll der Hauptkomplex fertiggestellt sein. Danach entstehen bis 2013 weitere Nebengebäude mit Seminarräumen und Büros. Alte Gebäude werden saniert. Derzeit arbeiten auf der Insel Riems rund 330 Beschäftigte. Nach der Fertigstellung des neuen Forschungskomplexes und der Aufgabe der Standorte Tübingen (Baden-Württemberg) und Wusterhausen (Brandenburg) in den kommenden Jahren werden weitere 140 Mitarbeiter auf der Insel Riems tätig sein.

Von Martina Rathke, dpa

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »