Ärzte Zeitung online, 14.02.2011

Fünf Jahre nach Vogelgrippe-Alarm: kaum Gefahr

BERLIN (dpa). Die ersten an der Vogelgrippe gestorbenen Schwäne Deutschlands sorgten vor fünf Jahren für große Aufregung. Inzwischen ist die Gefahr für Vögel und Menschen in Deutschland äußerst gering, in anderen Ländern jedoch wütet das Virus immer noch.

"Derzeit ist Ägypten das Gebiet, wo es die meisten Todesfälle beim Menschen gibt", berichtet Susanne Glasmacher vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin. 2010 erkrankten dort laut WHO 29 Menschen am gefährlichen H5N1-Virus, das ursprünglich von Vögeln stammt. 13 Menschen starben dort.

Aber auch Südostasien, vor allem Indonesien und Vietnam, waren in den vergangenen Jahren stark betroffen. Seit 2003 gab es dort 141 sowie 59 Todesfälle.

Weltweit zählte die WHO seit 2003 insgesamt 519 Erkrankungen und 306 Todesfälle. Außerdem sind seitdem Hunderte von Millionen Stück Geflügel weltweit an der Vogelgrippe verendet oder wurden gekeult.

In Deutschland wurden die ersten Fälle von betroffenen Vögeln am 14. Februar 2006 bekannt. Ein Schnelltest ergab bei toten Schwänen auf Rügen den Verdacht auf das Virus H5N1, der sich später bestätigte. In der Folge wurden zahlreiche erkrankte und gestorbene Vögel in Deutschland registriert, viele wurden vorsichtshalber getötet.

Weltweit steckten sich Menschen fast ausschließlich bei Tieren an. Zur gefürchteten Infektion von Mensch zu Mensch kam es kaum. Eine solche Ansteckung könnte bedeuten, dass das H5N1-Virus mutiert und sich daraufhin rasant ausbreitet. "Menschen steckten sich bislang nur in Ausnahmefällen von Menschen an, wenn es ungeschützten Kontakt über längere Zeit, etwa bei der Krankenpflege, gab", sagte Glasmacher.

In Deutschland wurde 2009 der bislang letzte Fall eines erkrankten Vogels gemeldet - eine Stockente in Bayern. "In Europa und Deutschland ist die Gefahr weiterhin sehr gering", sagte Elke Reinking vom Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit (Greifswald/Insel Riems). Allenfalls durch illegale Geflügelimporte drohe eine Einfallschneise. "Aber das sind Einzelfälle, etwa wenn ein Flugpassagier ein Huhn oder einen Wildvogel im Gepäck hat."

Der Umgang mit infizierten Vögeln unterliegt in Deutschland strengen Auflagen. So dürfen die Kadaver etwa nur in aufwendiger Verpackung zum Labor geschickt werden.

In Ägypten sei die Situation deshalb so fatal, weil die Krankheit bei den Tieren, die oft in Hinterhöfen gehalten werden, kaum diagnostiziert werde, ergänzte Reinking. So bestehen Virenreservoirs in enger räumlicher Nähe zu Menschen unerkannt fort.

"H5N1 ist ein Erreger, den man nicht aus den Augen verlieren sollte", meint auch Glasmacher. "Denn der Anteil der tödlich verlaufenden Fälle ist immer noch sehr hoch."

Infos des RKI zur Vogelgrippe

Infos des Friedrich-Loeffler-Instituts

Infos der WHO zur Vogelgrippe (englisch)

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