Ärzte Zeitung online, 17.12.2014

Vogelgrippe

Erreger breitet sich zunächst nicht weiter aus

Die Geflügelwirtschaft in Niedersachsen hält den Atem an. Nach dem Auftreten der Vogelgrippe sollen tausende Proben von den Höfen eine weitere Verbreitung ausschließen. Zunächst gab es keine neuen Fälle.

OLDENBURG. Nach dem Ausbruch der gefährlichen Vogelgrippe in Niedersachsen sind zunächst keine weiteren Fälle festgestellt worden.

Unter Hochdruck würden im Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) in Oldenburg Tausende von Proben aus Geflügelbetrieben untersucht, sagte Sprecherin Hiltrud Schrandt am Mittwoch.

Wenn es keine weiteren Vogelgrippefälle gibt, rechnen die Betriebe in einer der Hochburgen der deutschen Geflügelzucht bereits Freitagabend mit ersten Lockerungen der Transportverbote, die eine Verbreitung des Virus verhindern sollen.

Niedersachsen ist mit rund 100 Millionen Stück Geflügel der wichtigste Produzent in Deutschland. Alleine im Kreis Cloppenburg werden knapp 13,5 Millionen Puten und Hühner gehalten.

Auf dem betroffenen Betrieb in Barßel, einem Kontaktbetrieb in Garrel sowie in der direkten Umgebung wurde die Tötung von rund 120.000 Tieren angeordnet.

Gefährlicher Erreger nachgewiesen

Zuvor hatte das Friedrich-Loeffler-Institut den Vogelgrippe-Subtyp H5N8 nachgewiesen, der bereits im November in Mecklenburg-Vorpommern und den Niederlanden festgestellt worden war.

Der niederländische Geflügelzüchterverband rief angesichts der intensiven Kontakte nach Niedersachsen zu besonderer Vorsicht auf.

Selbst wenn keine weiteren Vogelgrippe-Fälle auftreten, können die Betriebe frühestens in einem Monat wieder uneingeschränkt arbeiten, sagte der Geschäftsführer des Verbandes der niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW), Dieter Oltmann.

Bis Freitag um 18.00 Uhr gilt ein Transportverbot für die Landkreise Cloppenburg, Ammerland und Leer, danach können die Betriebe dort ihre Tiere wieder nach ärztlicher Kontrolle über festgelegte Routen zu ausgewählten Schlachthöfen fahren.

Neues Geflügel kommt in der Region aber erst rund 28 Tage nach einer zweimaligen Desinfektion der geräumten Betriebe in die Ställe.

Das Veterinärinstitut beim Landesamt in Oldenburg richtet sich unterdessen auf ein enormes Arbeitspensum auch über Weihnachten ein.

"Hier läuft es wirklich auf Hochtouren. Wenn es nötig ist, wird auch nachts und am Wochenende gearbeitet", sagte Laves-Sprecherin Schrandt.

Greenpeace kritisiert Massentierhaltung

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte angesichts der Vogelgrippe eine verfehlte Landwirtschaftspolitik auf Bundesebene.

"Statt die Missstände der Massentierhaltung konkret anzugehen, werden Neubauten von riesigen Mast- und Legehennenställen staatlich auch noch finanziell gefördert", sagte Greenpeace-Agrarexpertin Stephanie Töwe-Rimkeit.

Der Tierschutzbund kritisierte die vorsorgliche Massentötung gesunder Tiere. Statt solcher Panikaktionen müssten die Landwirte zu noch strikterer Einhaltung von Hygiene- und Schutzmaßnahmen angehalten werden, erklärte der Tierschutzbund.

Der Naturschutzbund (Nabu) forderte, Wildvögel und Nutzgeflügel vor gegenseitigen Ansteckungen zu schützen.

Dazu seien strikte Sicherheitsmaßnahmen für alle industriellen Nutzgeflügelbetriebe umzusetzen, wie geeignete Filter in Abluftanlagen, geordnete Entsorgung von Abfallstoffen und Abwässern, sowie der obligatorische Transport von Tieren in geschlossenen Lastwagen, erklärte der Nabu am Mittwoch in Oldenburg. (dpa)

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