Ärzte Zeitung, 02.05.2005

HINTERGRUND

Baltikum, Österreich, Rußland - in vielen Ländern Europas kommt FSME vor, und Reisende dorthin sollten geimpft werden

Von Ursula Gräfen

Wandern auf der Kurischen Nehrung, Angeln in Masuren - manche Reisende sollten gegen FSME geimpft sein. In vielen Ländern Europas und in manchen asiatischen können Zecken FSME-Viren übertragen: Der sogenannte FSME-Gürtel zieht sich von Deutschland nach Rußland bis nach China, der Mongolei und Japan, wo die Viren vereinzelt vorkommen.

Das FSME-Risiko ist dabei in den einzelnen Ländern und Regionen unterschiedlich. Für die reisemedizinische Beratung sollten Ärzte die Risikogebiete kennen. Als Reiseimpfung ist die FSME-Impfung eine IGeL-Leistung. Es sei denn, es geht um eine Reise innerhalb Deutschlands, dann zahlen die Kassen. Einen Überblick über das FSME-Risiko in Europa und Asien hat das Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf jetzt zusammengestellt (Infodienst 4, 2005, 11).

Albanien
Aserbaidschan
Moldawien
Rumänien
Ukraine

Mit einem Risiko ist zu rechnen, genauere Daten fehlen aber. In der Ukraine liegen bekannte Endemiegebiete im Süden der Krim und im Nordwesten der Volinskij Oblast. Aus Albanien und Rumänien gibt es Berichte über alimentäre Übertragung des Virus, etwa durch Ziegenmilch.

Die baltischen Staaten
Estland, Lettland, Litauen

In allen drei Ländern ist das FSME-Risiko sehr hoch. Die baltischen Staaten haben europaweit mit die höchsten Inzidenzen. Litauen lag mit 22 Erkrankten auf 100 000 Einwohner 2003 an der Spitze in Europa. In Lettland ist das Risiko besonders hoch im Großraum Riga, das gilt auch für die Grünanlagen im Stadtgebiet.

Bosnien-Herzegowina
Kroatien
Serbien und Montenegro

Das Risiko besteht hauptsächlich in den Flußniederungen. In Serbien und Montenegro gibt es herdförmiges Vorkommen auch an der Adria. Auch alimentäre Übertragung kommt vor.

Dänemark
Frankreich
Griechenland
Italien

Diese Länder sind fast frei von FSME. In Dänemark besteht ein Risiko nur auf der Insel Bornholm. In Frankreich sind nur einzelne autochthone Herde in Elsaß und in Lothringen (um Nancy) bekannt. Ein kleiner, neuer Herd scheine gerade um Grenoble zu entstehen, so Privatdozent Jochen Süss vom Nationalen Veterinärmedizinischen Referenzlabor für durch Zecken übertragene Krankheiten in Jena im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". In Griechenland gibt es nur im Norden des Landes, westlich von Thessaloniki, einen Naturherd. In Italien kommt FSME in den Provinzen Trentino, Belluno und Goriza im Nordosten sowie in den Provinzen Florenz und Latium in Mittelitalien sowie wohl auch im Piemont vor.

Österreich

Das Land ist bekanntlich ein Hochrisiko-Gebiet. Die besonders gefährlichen Regionen sind die Flußniederungen entlang der Donau, besonders in Niederösterreich, Teile von Kärnten, der Steiermark und des Burgenlandes. In den anderen Bundesländern kommt das Virus aber ebenfalls bis zu Höhen von 1000 Metern vor.

Polen

Risikogebiete sind im Nordosten: 80 Prozent der landesweit gemeldeten Infektionen stammen aus den Provinzen Suwalki und Bialystock. Weitere Endemie-Gebiete liegen im Norden (Provinzen Gdansk, Elblag, Olsztyn), im Osten (von Siedice bis zur weißrussischen Grenze) und im Süden an der tschechischen Grenze mit Schwerpunkt in der Provinz Opole. In den anderen Landesteilen besteht ein geringes Risiko. Es gibt Berichte über alimentäre Übertragung durch Schafs- oder Ziegenmilch.

Rußland

Rußland hat mit die höchsten Fallzahlen in Europa, mit einem Risiko ist landesweit zu rechnen. Besonders betroffen ist der gesamte eurasische Waldgürtel von Kaliningrad bis Wladiwostock. Gebiete mit besonders hohem Risiko liegen im europäischen Teil Rußlands zwischen Moskau und St. Petersburg, am Ural speziell in der Gegend um Perm sowie in den Feuchtbiotopen von Karelien. Im asiatischen Teil gibt es Hochrisiko-Gebiete in Süd- und Ost-Sibirien.

Außer der mitteleuropäischen FSME, deren Erreger von Ixodes ricinus, dem gemeinen Holzbock, übertragen werden, gibt es vor allem in den östlichen Landesteilen eine Variante: die Russische Frühsommer-Meningoenzephalitis (RSSE), deren Erreger von der Taigazecke Ixodes persulcatus übertragen werden. Die RSSE ähnelt der FSME, verläuft aber meist schwerer. Die bei uns üblichen FSME-Vakzinen schützen vor beiden Virus-Subtypen.

Schweiz

FSME kommt in Niederungen unterhalb von 1000 Metern in den nördlichen Landesteilen vor mit Hauptendemie-Gebieten im oberen Rheintal und in der Zentralschweiz. Die höchsten Inzidenzen gab es zuletzt in Zürich und Thurgau.

Skandinavien

FSME kommt nur im Süden der Länder vor, das Risiko ist gering. In Finnland gibt es bekannte Naturherde an der Südküste, auf vorgelagerten Inseln und im Saimaa-Seengebiet. Aus Norwegen sind Einzelfälle im Gebiet von Kristiansand bekannt. In Schweden wurde 2004 mit 160 Erkrankten die höchste jemals im Land registrierte FSME-Morbidität festgestellt, so Süss. Es gibt ein höheres Risiko in den küstennahen Gebieten der Provinzen Stockholm, Uppsala und Södermanland nach Süden bis zum Revskärs Naturreservat, landeinwärts bis zu den Mälaren sowie auf den österlich vorgelagerten Inseln wie Muskö und Utö. Nach Norden wird das Risiko immer geringer. In den letzten Jahren fanden sich Infektionsgebiete westlich der Mälaren in Vastra Götaland.

Slowakei

FSME kommt unterhalb 600 Metern vor, also in den Landesteilen, die sich im Westen, Süden und Osten hufeisenförmig um die Tatra erstrecken. Ein hohes Risiko gibt es im Donautal, besonders in den Gebieten um Bratislava und Komarno sowie um Levice. Berichte über alimentäre Übertragung gibt es.

Slowenien

Hauptendemie-Gebiete liegen in den zentralen und östlichen Landesteilen zwischen Save und Drau, besonders in den Ljubljana- und Celje-Bassins. In den anderen subalpinen Landesteilen gibt es FSME-Herde. Nach den baltischen Staaten stand Slowenien im Jahr 2003 mit 13,6 Erkrankten pro 100 000 Einwohner europaweit an vierter Stelle.

Tschechische Republik
Ungarn
Weißrußland

Das Risiko ist überall hoch, vor allem in den Flußniederungen. Ausnahmen sind die Höhenlagen in Tschechien und der Norden Weißrußlands. In Ungarn gibt es Schwerpunkte entlang der Donau und um den Balaton. In Weißrußland ist örtlich bei Zecken eine Virusprävalenz von sieben bis 15 Prozent nachgewiesen.

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