Ärzte Zeitung, 07.03.2006

Rußland-Reisende brauchen Schutz gegen FSME

Im Osten Rußlands gibt es eine besonders pathogene FSME-Variante / Subtyp in Finnland und Lettland aufgetaucht

MÜNCHEN (sto/eis). Bei Reisen nach Osteuropa ist häufig eine FSME-Impfung zu empfehlen. Die Infektionsgefahr nach Zeckenstich ist für Naturfreunde etwa in den baltischen Staaten oder Rußland groß. Besonders hoch ist das Erkrankungsrisiko in Sibirien, wo es zudem eine besonders pathogene Variante des FSME-Virus gibt.

In Sibirien erkranken bis zu 40 Menschen je 100 000 Einwohner an FSME, wie der Biologe Dieter Gniel berichtet hat. In einigen Jahren steige die Inzidenz regional sogar auf 100 je 100 000 Einwohner an, so der Zeckenexperte bei einer Veranstaltung von Chiron Vaccines International in München.

Zum Vergleich: Selbst in den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg mit vielen FSME-Risikogebieten erkrankt nur etwa ein Mensch pro 100 000 Einwohner.

    Die Inzidenz von FSME in Sibirien ist bis zu 40 Mal höher als in Bayern.
   

In Rußland gibt es zudem die Russische Frühsommer-Meningoenzephalitis (RSSE), deren Erreger von der Taigazecke Ixodes persulcatus übertragen werden (wir berichteten). Die RSSE verläuft meist schwerer als FSME. Die bei uns üblichen FSME-Vakzinen schützen auch vor RSSE.

Mit die höchsten Zahlen an RSSE-Kranken und die schwersten Verläufe würden in der Region Kemerowo mitten in Sibirien, an der Grenze zu China, der Mongolei und Kasachstan registriert, berichtete Gniel. Bis zu 25 Prozent der Betroffenen seien Kinder.

Bei jedem dritten Kind, das dort nach Zeckenstichen auf einer infektiologischen Station einer Kinderklinik lag, habe sich die FSME-Variante serologisch bestätigen lassen.

Auffällig sei auch, daß sich meist mehrere Zecken bei den in Kliniken eingewiesenen Patienten festgesogen hatten. Die Krankheitsverläufe seien teilweise sehr schwer. Berichtet werde über Lähmungen, Epilepsie, chronische Verläufe und Todesfälle, sagte Gniel.

Bei einer Exkursion hatten Gniel und seine Kollegen vor Ort Zecken analysiert. Bis zu zehn Prozent der Tiere und an einigen Stellen sogar bis zu 30 Prozent seien mit den sibirischen FSME-Virusstämmen durchseucht gewesen, berichtete er. Nach seinen Angaben sind sibirische FSME-Subtypen auch schon im Norden Finnlands gefunden worden. Ebenso werde in Lettland und Weißrußland über Funde des sibirischen FSME-Subtyps berichtet.

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