Ärzte Zeitung, 17.03.2006

Schlechte Impfraten trotz hoher FSME-Gefahr

In einigen Hochrisikogebieten sind nur 14 Prozent der Bevölkerung geimpft / Bleibende FSME-Schäden sind häufig

FRANKFURT AM MAIN (mut). In Deutschland ist die FSME-Impfrate in FSME-Hochrisikogebieten noch immer sehr niedrig. Dies und eine verstärkte Freizeitaktivität in der Natur sowie eine Zunahme der Zeckenzahl könnten erklären, weshalb die Zahl der FSME-Erkrankungen 2005 steil angestiegen ist.

2005 sind in Deutschland 427 Menschen an Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) erkrankt - das sind etwa 50 Prozent mehr als 2004. In keinem Jahr sind in Deutschland so viele Menschen mit FSME registriert worden (wir berichteten).

"Eine gute Erklärung für diesen Anstieg haben wir nicht", sagte Professor Reinhard Kaiser vom Städtischen Klinikum in Pforzheim.

"Einige Biologen meinen, die Zahl der Zecken nimmt zu und damit auch die Zahl der FSME-infizierten Zecken", so Kaiser auf dem Symposium Impf- und Reisemedizin der Uniklinik Frankfurt am Main. Möglicherweise nehme auch die Exposition zu, etwa, weil sich Menschen vermehrt in FSME-Gebieten in der Natur aufhalten.

    Die Zahl der Zecken nimmt offenbar zu.
   

Besonders bedenklich sei, daß die Zahl der FSME-Kranken in den Hochrisikogebieten wie dem Ortenaukreis am stärksten gewachsen ist. "Dies läßt sich zum Teil mit den geringen Durchimpfungsraten erklären", sagte Kaiser. So seien nur 14 Prozent der Menschen im Ortenaukreis gegen FSME geimpft.

Wie sich eine gute Impfrate auswirkt, sei dagegen in Österreich zu beobachten. Dort sind inzwischen knapp 90 Prozent der Bevölkerung gegen FSME geimpft. Mit zunehmender Impfrate sank die Zahl der FSME-Erkrankungen von 612 im Jahr 1982 auf 54 im Jahr 2004. Erst 2005 ist es auch in Österreich wieder zu einem Anstieg bei FSME gekommen.

Welche Folgen eine FSME-Infektion für die Betroffenen hat, hat Kaiser anhand einer Studie erläutert, in der Daten von 1005 FSME-Patienten analysiert wurden. 48 Prozent der Kranken hatten eine meist schwer verlaufende Meningitis, 42 Prozent eine Enzephalitis und zehn Prozent eine Myelitis.

Nach diesen Daten wächst mit zunehmendem Alter der Patienten auch das Risiko für eine Enzephalitis. "Bei älteren Patienten muß man also besonders darauf achten, daß sie geimpft werden", sagte Kaiser.

Nach FSME-Erkrankungen haben etwa 30 bis 40 Prozent der Patienten langfristige Schäden wie Paresen, Muskelatrophien und Gleichgewichtsstörungen, aber auch Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen. Haben Patienten eine FSME-Meningitis überstanden, sollten sie noch mindestens zwei bis vier Wochen krank geschrieben werden, nach einer Enzephalitis ist meist erst eine Rehabilitationsmaßnahme nötig, so Kaiser.

Eine FSME-Impfung bietet gegen die Erkrankung jedoch einen guten Schutz. In der Untersuchung war nur einer von 1000 Patienten zuvor geimpft worden und hatte dennoch eine FSME bekommen.

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