Ärzte Zeitung, 14.05.2007

Antibiose nach jedem Zeckenstich ist nicht ratsam

Infektiologen: Borreliose-Prophylaxe ist nur bei einem Erythema migrans indiziert / Stiche bleiben meist folgenlos

MÜNCHEN (wst). In Deutschland sind Zecken weitaus häufiger mit Borrelien als mit FSME-Viren infiziert. Aber auch wenn Zecken mit Borrelien befallen sind, die große Mehrheit der Stiche bleibt folgenlos. Eine Antibiotika-Prophylaxe nach jedem Zeckenstich ist daher nicht angebracht.

Gegen FSME kann man bekanntlich impfen, und eine Borrelien-Infektion ist üblicherweise mit einer Antibiotika-Therapie gut zu beherrschen. Dabei wäre es allerdings völlig überzogen, nach jedem Zeckenstich eine prophylaktische Antibiotika-Therapie zu starten, hat Dr. Nikolaus Frühwein aus München betont. Nur wenn sich vom Stich ausgehend ein deutliches Erythema migrans entwickele, sei eine prophylaktische Antibiotika-Therapie angezeigt, sagte er auf einer reisemedizinischen Pressekonferenz in München.

Frühwein erinnerte, dass bei den meisten Menschen das Immunsystem Borrelien sicher eliminiert, wenn sie von einer borrelieninfizierten Zecke gestochen worden sind. Nach einer unbemerkten Infektion haben Menschen dann aber für viele Jahre und vielleicht sogar lebenslang Antikörper gegen Borrelien im Blut. Eine positive Serologie für borrelienspezifische Antikörper heißt daher allein noch gar nichts, bestätigte auch Professor Thomas Löscher vom Tropeninstitut der Universität München.

Positiver Antikörpertest ist keine Indikation zur Antibiose

Durch einen positiven Antikörpertest sei daher weder eine Antibiotikatherapie gerechtfertigt noch sei dies ein Anlass, die Suche nach anderen möglichen Gründen für unspezifische Symtome abzubrechen. "Nicht jedes Formtief eines Fußballers ist eine Borreliose", sagte Löscher. Kürzlich hatten nämlich mehrere Profisportler angegeben, an Borreliose zu leiden.

Bei ausgeprägten unklaren neurologischen Symptomen, sei eine Liquordiagnostik zu rechtfertigen. Werden dabei borrelienspezifische Antikörper nachgewiesen, plädieren Löscher und Frühwein sicherheitshalber umgehend für antibiotische Therapie. Allerdings sei auch dann noch eine Borreliose nicht sicher nachgewiesen.

STICHWORT

Borreliose-Manifestationen

Die Borreliose ist vielgestaltig. Symptome an Haut, Nervensystem, Gelenken und Herz sind möglich. Häufigkeiten der Manifestationen wurden in einer Studie in der Region Würzburg mit etwa 279 000 Einwohnern erhoben: Danach fanden sich ein Erythema migrans als einziges Symptom bei 89 Prozent, eine frühe Neuroborreliose bei drei Prozent, ein Lymphozytom bei zwei Prozent, eine kardiale Beteiligung bei unter ein Prozent, eine Lyme-Arthritis bei fünf Prozent und eine Acrodermatitis bei ein Prozent. Die chronische Neuroborreliose trat nicht auf. (eb)

Mehr Infos und ein Ärztemerkblatt zu Borreliose unter www.rki.de

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