Ärzte Zeitung online, 18.03.2010

FSME breitet sich Richtung Norden aus

MÜNCHEN (dpa). Trotz des kalten Winters könnte die Zeckenplage und das damit verbundene Risiko einer Gehirnhautentzündung weiter ansteigen. "Es gibt keine Veranlassung zu glauben, dass die Zecken weniger geworden sind", erklärte Professor Jochen Süss vom Friedrich-Loeffler-Institut in Jena am Mittwoch auf einer Veranstaltung in München.

FSME breitet sich Richtung Norden aus

Die von Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis ist auf dem Vormarsch. © Stefan Schejok / fotolia.com

Die Zahl der gemeldeten FSME-Kranken schwankt nach Auskunft des Robert Koch-Instituts von Jahr zu Jahr stark und lag in den vergangenen neun Jahren zwischen 238 im Jahr 2007 und 546 im Jahr 2006. Im Jahr 2009 gab es bundesweit 314 Erkrankte.

Die Erreger jedoch breiten sich nach Aussage von Süss nicht nur in Deutschland weiter aus, sondern auch in Europa und Asien. In insgesamt 27 europäischen und 6 asiatischen Ländern trete das FSME-Virus mittlerweile auf.

"Über diese Ursachen tappen wir noch völlig im Dunkeln", sagte Süss. Erstaunt war er über den Virusfund in Dänemark und in Finnland, wo sogar 100 Kilometer südlich des Polarkreises Viren gefunden worden seien.

Viele Faktoren seien für die Ausbreitung der Viren verantwortlich. Im Falle der neuen Funde im Gebirge über 1500 Metern habe jedoch der Klimawandel großen Einfluss gehabt.

In Deutschland ist die Zahl der Risikogebiete nach RKI-Angaben gestiegen. So kamen 2009 die Kreise Unterallgäu, Oberallgäu und Memmingen dazu. 136 der bundesweit 440 Kreise seien Risikogebiete, die meisten davon liegen in Bayern und Baden-Württemberg. Erste Erkrankungen folgten auch im Norden Deutschlands, etwa in Hamburg, Niedersachsen oder Schleswig-Holstein, aber auch im Saarland und Nordrhein-Westfalen, wo zuvor noch nie von derartigen Erkrankungen berichtet wurde. In Mecklenburg-Vorpommern tauchte das Virus nach 40 Jahren erneut auf.

An der ebenfalls von Zecken übertragenen Lyme-Borreliose erkranken jährlich bundesweit etwa 80 000 bis 100 000 Menschen, diese Infektion ist nicht auf Risikogebiete beschränkt. Es gibt keine Impfung dagegen, die Erkrankung kann aber mit Antibiotika behandelt werden.

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