Ärzte Zeitung, 16.09.2010

Rotes Ohrläppchen - durch Lyme-Borreliose

Lymphoide Hyperplasien der Haut sind typische Zeichen einer Lyme-Borreliose im Stadium II. Über eine solche Fallgeschichte berichten HNO-Ärzte vom Klinikum rechts der Isar in München. Bei einem zweijährigen Mädchen war das Ohrläppchen bereits ein halbes Jahr lang gerötet.

Von Thomas Meißner

Rotes Ohrläppchen - durch Lyme-Borreliose

Rötliche Schwellung des linken Ohrläppchens eines zweijährigen Mädchens.

© Springer Medizin

MÜNCHEN. Eine rötliche Schwellung am Ohrläppchen eines zweijährigen Mädchens hatte seit einem halben Jahr bestanden, über die Monate nicht zugenommen und war auch nicht schmerzhaft oder überwärmt. Die Mutter des Kindes erwähnte jedoch wiederholte Fieberschübe, berichten die HNO-Ärzte Dr. Andreas Knopf vom Klinikum rechts der Isar in München und seine Kollegen (HNO 2010; 58: 704).

Bis auf das erhöhte C-reaktive Protein (CRP) mit 21,8 mg/l waren die Routinelaborwerte unauffällig. Um ein kutanes Lymphom auszuschließen, hatten die Ärzte zunächst eine Exzisionsbiopsie vorgenommen. Das histologische Bild entsprach einem Pseudolymphom, also einer gutartigen Proliferation des lymphoretikulären Gewebes, wie sie auch nach Insektenstichen, Traumata, Herpes-zoster-Infektionen oder Antigen-Injektionen auftreten kann - oder nach Zeckenbissen mit Übertragung von Borrelien.

"Das Borrelien-Lymphozytom stellt eine typische Hautmanifestation dar und betrifft bei Kindern vor allem das Ohrläppchen", betonen die Münchner Kollegen.

Bei dem Mädchen lag der Titer der IgG-Antikörper im Enzymimmunoassay bei 296 U/ml. Der Befund wurde im nachfolgenden Western-Blot bestätigt. IgM-Antikörper waren nicht nachgewiesen worden.

Nach einer 14-tägigen Antibiotikatherapie mit dreimal 200 mg Cephaclor per os war die Infektion erfolgreich beseitigt.

Bei der Borreliose werden manchmal Krankheitsstadien übersprungen. Das Erythema migrans im Stadium I ist die häufigste Manifestation der Krankheit.

Im Stadium II stehen Entzündungen des zentralen und / oder peripheren Nervensystems im Vordergrund. Bei Kindern sieht man häufig eine periphere Fazialisparese. Möglich sind zudem Myositiden, Arthritiden und Erytheme.

Das dritte Krankheitsstadium wird 6 bis 12 Monate nach dem Zeckenstich erreicht. Es ist gekennzeichnet durch die Zeichen einer Enzephalitis oder Enzephalomyelitis, zerebraler Arteriitis, Polyneuropathien, Arthritiden und der Acrodermatitis chronica atrophicans.

Treten bei Patienten Borreliose-Lymphozytome auf, werden zur Therapie Tetrazykline, Aminopenicilline oder Cephalosporine für 14 Tage empfohlen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »