Ärzte Zeitung online, 02.08.2011

Gel gegen Borreliose im Test

KÖLN (eb). Ein antibiotikahaltiges Gel, das auf eine Zecken-Bissstelle aufgetragen wird, soll Borreliose-Erkrankungen verhindern. Für eine multizentrische Studie dazu werden Teilnehmer gesucht.

Experten schätzen, dass in Deutschland die Zahl der Menschen steigt, die nach Zeckenbissen an Borreliose erkranken, teilt die Uniklinik Köln mit. Schätzungen gingen davon aus, dass jede zweite Zecke in Deutschland mit Borrelien infiziert ist.

Bislang gibt es keine zugelassene Therapie, mit der direkt nach einem frischen Biss begonnen werden kann. Die Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln nimmt derzeit an einer multizentrischen Studie teil, in der ein innovatives Therapiekonzept getestet wird, das eine Infektion sofort nach dem Biss unterbinden soll.

"Die Innovation besteht darin, dass jetzt nicht gewartet wird, ob ein Patient Symptome einer Erkrankung, wie die Wanderröte zeigt, sondern dass direkt nach dem Zeckenstich das zu prüfende Gel auf die betroffene Stichstelle aufgetragen wird", wird Professor Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie an der Uniklinik Köln, in der Mitteilung zitiert.

Ziel der klinischen Studie ist es, dass die Patienten gar nicht erst an Borreliose erkranken, da die Krankheitserreger lokal in der Haut abgetötet werden sollen. Bei dem zu testendem Arzneimittel handelt es sich um ein antibiotikahaltiges Gel, das zweimal täglich für drei Tage direkt auf die Bissstelle aufgetragen wird.

Zur Studie zugelassen sind Personen zwischen 18 und 80 Jahren, die von einer Zecke gebissen wurden und die Zecke noch in der Haut haben oder diese mitbringen können.

Patienten, die sich für die Teilnahme an der Studie interessieren, können sich im Web auf www.zeckenstudie.com oder bei der Telefon-Hotline 00800 2151 3692 informieren und mit den dort aufgeführten Ärzten Kontakt aufnehmen.

[05.08.2011, 12:42:24]
Renita Bublies 
Polemik macht keine besseren Ärzte und hilft den Patienten nicht weiter
Sehr geehrter Herr Dr. Schätzler,

Ihre Polemik verwundert. Was bringt Sie dazu, einen Erfahrungsbericht in dieser Weise zu diffamieren?

Ich kann mich nicht erinnern, in meinem Kommentar geschrieben zu haben, dass die weiterführende Diagnostik unterbleiben würde. Sie findet selbstverständlich genau so statt, als wenn diese Prophylaxe nicht durchgeführt worden wäre. Wenn erforderlich, natürlich auch eine leitliniengerechte Antibiose durch einen erfahrenen Spezialisten - allerdings war das bisher nicht nötig.

> "fühlt sich geheilt von einer Erkrankung, die er gar nicht hatte. "
Genau das ist das Ziel der Unterspritzung - dass er diese Erkrankung gar nicht erst bekommt. Hier geht es nicht um Heilung, sondern um Prävention. Was ist daran verkehrt?

Was fürchten Sie, was der Patient riskiert, wenn er die Spritze wählt (bei Gesamtkosten von ca. 5 Euro incl. Ampulle), statt tatenlos abzuwarten, ob sich eine Infektion entwickeln wird?

Sie schreiben:
> "Patienten, die eine symptomatische Borreliose trotz dieser völlig ungesicherten naturheilkundlichen Injektionsmaßnahmen bekommen, wenden sich dann enttäuscht direkt an einen Spezialisten. "
Und ich hoffe, dass die Patienten, die keine Prophylaxe bekamen und eine symptomatische Borreliose erleiden, ebenfalls bei einem guten Spezialisten landen.

Hat nicht die im Beitrag genannte Studie das gleiche Ziel, nämlich eine Infektion vor der Ausbreitung im Körper zu verhindern? Ich zitiere:
> "Die Innovation besteht darin, dass jetzt nicht gewartet wird, ob ein Patient Symptome einer Erkrankung, wie die Wanderröte zeigt, sondern dass direkt nach dem Zeckenstich das zu prüfende Gel auf die betroffene Stichstelle aufgetragen wird", wird Professor Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie an der Uniklinik Köln, in der Mitteilung zitiert. <

Also bitte: fair bleiben, konstruktiv werden und die Gesundheit der Patienten in den Mittelpunkt stellen.  zum Beitrag »
[04.08.2011, 12:06:42]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Bitte nicht nachmachen!
Bei "Scarred" (MTV) sagen sie immer: Bitte k e i n e s f a l l s nachmachen! Und bei "Jackass": "Kids (Doc's) don't try this at home".

Das 'Rezept' der Kollegin geht folgendermaßen:
Man nehme eine relativ seltene Erkrankung (Borreliose), untersuche den Patienten gar nicht erst auf Erythema migrans, Arthritis usw. Sondern führe nach j e d e m Zeckenbiss(-stich) ohne genaue Indikationsstellung "die frühzeitige subcutane Unterspritzung der Stichstelle mit Echinaject (Syxyl), Echinacea comp. (Heel), Infekt1-Injektopas oder Pascoleucyn-Injektopas" durch.
Dem Patienten imponiert das maßlos, er bezahlt gerne und fühlt sich geheilt von einer Erkrankung, die er gar nicht hatte.
Misstrauischen Patienten zeigt man später ihre Borrelien-AK. Sind die negativ, sagt man: 'Medicus curat'. Sind die AK positiv: 'Medicus curat, natura sanat', weil der Antikörperstatus oft gar keine Aussage über aktiven, blanden oder rein anamnestischen Borrelienkontakt, -infektion oder B.-Immunität ermöglicht.

Patienten, die eine symptomatische Borreliose trotz dieser völlig ungesicherten naturheilkundlichen Injektionsmaßnahmen bekommen, wenden sich dann enttäuscht direkt an einen Spezialisten.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM (z. Zt. Bergen aan Zee)
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[03.08.2011, 23:27:49]
Renita Bublies 
Weiterreichende Wirkung und ergänzender Vorschlag
1) Interessant wäre zu erfahren, ob das antibiotische Gel auch auf Rickettsien und Babesien wirkt, die außer den Borellien häufig von Zecken übertragen werden und ähnliche Spätfolgen nach sich ziehen können. Das würde den Effekt einer Behandlung wesentlich erweitern, da im Vorhinein weder Arzt noch Patient wissen, woran dieser möglicherweise erkranken wird.

2) Im Beitrag heißt es:
"Bislang gibt es keine zugelassene Therapie, mit der direkt nach einem frischen Biss begonnen werden kann."

Dazu kann ich folgende Ergänzung anbieten:
Vielleicht nicht "zugelassen", aber legal und in der Praxis empirisch erfolgreich ist die frühzeitige subcutane Unterspritzung der Stichstelle mit Echinaject (Syxyl), Echinacea comp. (Heel), Infekt1-Injektopas oder Pascoleucyn-Injektopas (beides Pascoe). Ein Depot von 2ml, als Quaddel in 4-8mm Tiefe, führt offenbar zu einer Immunstimulation und damit erhöhten Abwehr einer Einwanderung der Erreger. Bisher ist keines der damit behandelten Zeckenbissopfer an Borelliose oder vergleichbaren Infektionen erkrankt. Geringe Kosten, wenig Aufwand, überzeugender Effekt, wenn auch nicht doppelblind-placebo-bewiesen und cochrane-metaanalysiert; manchmal ist auch Erfahrungsmedizin ganz nützlich.

Selbst wenn die Erfolgsquote geringer wäre und z.B. bei größeren Kollektiven nur 30 Prozent der Patienten geholfen würde, ist ein Versuch damit immer noch besser als untätiges Abwarten auf das Entwickeln einer Infektion, da als Kontraindikation lediglich eine Allergie auf Korbblütler im Wege stehen könnte; ansonsten ist die Behandlung im Gegensatz zu prophylaktischer Antibiose unschädlich.
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