Donnerstag, 24. Mai 2012
Ärzte Zeitung online, 22.12.2011

Hautgel soll Zeckeninfektionen verhindern

MÜNCHEN (eis). Ein nach Zeckenstich auf die Haut aufgetragenes Antibiotika-Gel könnte künftig Borreliosen vorbeugen. Die Entwicklung des Präparats von Forschern aus Deutschland und der Schweiz ist bereits weit fortgeschritten.

Hautgel soll Zeckeninfektionen verhindern

Zeckenstich: Ein neues Gel soll Borrelien vorbeugen.

© Stefan Schejok / panthermedia

Das Medikament enthält das Antibiotikum Azithromycin und wird von Forschern um Dr. Jens Knauer am Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI in Kooperation mit der Uni München (LMU) und der Schweizer Ixodes AG entwickelt.

Seit dem Sommer dieses Jahres wird die Arznei in einer klinischen Phase-III-Studie geprüft, heißt es in einer Mitteilung des Instituts.

Durch die Prophylaxe werde die Infektion verhindert. Voraussetzung ist allerdings, dass Betroffene den Stich bemerken und das Gel nach Entfernung der Zecken auch anwenden.

Jede dritte Zecke mit Borrelien

Die Rezeptur für das Mittel hat das Unternehmen Ixodes entwickelt, berichtet das Institut weiter. Azithromyzin wurde als Wirkstoff ausgewählt, weil bisher von Borrelien keine Resistenzen gegen das Antibiotikum bekannt sind.

Fünf bis 35 Prozent der Zecken in Deutschland sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) mit Borrelien infiziert, wobei die Trägerrate regional sehr verschieden ist.

Eine Meldepflicht für Erkrankungen gibt es nur in den sechs östlichen Bundesländern. Dort wurden zwischen 2007 und 2009 insgesamt 17.175 Fälle von Lyme-Borreliose gemeldet.

Einen Impfstoff gegen Borreliose gibt es nicht. Derzeit besteht die Behandlung aus einer mehrwöchigen Gabe von Antibiotika. Die Diagnostik ist problematisch, weil Frühsymptome wie Erythema migrans bei vielen Infizierten fehlen.

Unbehandelt kann sich eine chronische Infektion wie Lyme-Borreliose oder Neuroborreliose entwickeln. Die Therapie mit Antibiotika ist dann schwierig.

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[25.12.2011, 19:14:16]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Prävention der Borrelioseinfektion durch Ixodes rhicinus
Eine interessante Perspektive. Denn bisher ist eine Prophylaxe gegen Borrelieninfektion nach Zeckenbiss "off-label" und unlogisch. Nur bei Therapie der Lyme-Borreliose Stadium 1 (z. B. Erythema migrans, Primärarthritis) wird 200 mg Doxycyclin über 21 Tage 1 x tgl. leitliniengerecht gegeben. Der alleinige Zeckenbiss und -stich führt in Mitteleuropa (neben dem regionalen und saisonalen FSME-Risiko) nur in einem geringen Prozentsatz zu einem tatsächlichen Borrelieninfekt.

In den USA ist bei den dortigen Zeckenarten die Borrelien-Prävalenz wesentlich höher, so dass dort z. T. auch aus haftungsrechtlichen Gründen bei j e d e m Zeckenkontakt eine 3-tägige Prophylaxe mit je 1 Tab. Doxy 200 durchgeführt wird (Bei Kindern alternativ 3 Tage Azithromycin alters- und gewichtsadaptiert).

Ein rein lokaltherapeutisches azithromycinhaltiges Pflaster würde uns in der Entscheidung pro oder contra aktive antiinfektiöse Primärtherapie entlasten und verängstigte Patienten beruhigen. Denn das Risiko einer übersehenen oder fehlbehandelten Borreliose könnte verringert werden.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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