Ärzte Zeitung, 23.03.2004

Malignome verraten sich manchmal auf der Haut

Kutane Paraneoplasien wie Acanthosis nigricans maligna können einer klinischen Tumordiagnose vorausgehen

TÜBINGEN (ner). Die Haut ist nicht nur der sprichwörtliche Spiegel der Seele. Sie kann auch Signale abgeben, die auf eine entstehende Krebserkrankung im Inneren des Körpers hinweisen.

"Hauterkrankungen können dem klinisch diagnostizierbaren Tumor vorausgehen oder zeitgleich auftreten", schreiben Privatdozent Dr. Andreas Blum und seine Kollegen aus Tübingen in der "Deutschen Medizinischen Wochenschrift" (DMW 128, 2003, 2195).

Dabei handele es sich um kutane Paraneoplasien. Die richtige Einschätzung bestimmter Hautsymptome ermöglicht mitunter die Frühdiagnose eines Malignoms, ja mehr noch, die Symptome korrelierten mit der Wirksamkeit einer Therapie und zeigten auch Tumorrezidive an, so die Tübinger Hautärzte. "Wenn Sie eine entsprechende Hauterkrankung sehen, bedeutet das definitiv, daß ein Malignom im Körper sein muß", so Blum zur "Ärzte Zeitung".

Acanthosis nigricans kommt oft bei Magen-Darm-Tumoren vor

Aufmerksam werden sollte man etwa bei gleichzeitiger Hyperpigmentierung im Nacken, in den Achseln und an den Streckseiten der Extremitäten. Die bräunlich-schwärzlichen Makulae, Papeln oder Plaques sind ein starker Hinweis auf eine Acanthosis nigricans maligna, welche häufig mit Adenokarzinomen des Gastrointestinaltraktes einhergeht. Weniger häufig sind dunkel pigmentierte Papeln an Lippen, Augenlidern, Mamillen sowie anogenital.

Andere Zeichen sind etwa das Erythema gyratum repens Gammel, welches mit Bronchial- und Adenokarzinomen auftritt. Dabei sind, etwa am Körperstamm und an Extremitäten, polyzyklische, konzentrisch angeordnete und randbetont schuppende sowie rasch wandernde Erytheme zu beobachten, deren Muster an die Maserung eines polierten Holzstückes erinnere, so Blum.

Das rasche Wachstum von Lanugohaaren im Gesicht, Nacken oder im Stammbereich (Hypertrichosis lanuginosa aquisita) kann auf ein Lungen- oder Kolonkarzinom hinweisen. Patienten mit einem paraneoplastischen Pemphigus haben ausgeprägte und sehr schmerzhafte Erosionen an der Mundschleimhaut, die sich bis zum Ösophagus und zur Trachea fortsetzen können.

Trockener Husten weist in solch einem Fall darauf hin, daß auch die Bronchien von den Erosionen betroffen sind. Pathophysiologisch handelt es sich bei den kutanen Paraneoplasien nicht um Metastasen. Vielmehr werden die Hauterkrankungen durch Mediatoren, Peptide oder Hormone aus den Tumoren verursacht oder sind Ausdruck einer Immunreaktion gegen Tumorantigene. Bei der Therapie ist deshalb die Eindämmung des Tumors am wichtigsten, unterstützt etwa von spezifischen Externa.

FAZIT

Kutane Paraneoplasien können einer klinischen Krebsdiagnose vorausgehen oder zeitgleich auftreten. Sie signalisieren auch das Ansprechen auf eine Therapie oder ein Tumorrezidiv. Die Hautkrankheiten ermöglichen eine frühe Krebsdiagnostik. Externe und interne Therapien können die Hautkrankheiten lindern, ohne das Grundleiden zu beeinflussen. (ner)

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