Ärzte Zeitung, 10.03.2004

Bösartige Tumoren sind wie niemals heilende Wunden

Bei vielen Krebsarten werden die gleichen molekularen Programme angestoßen / Wachstumsbarrieren außer Kraft gesetzt

STANFORD (mh). Dieselben Gene, die bei der Wundheilung aktiv sind, sind offenbar auch für Tumorwachstum und Metastasierung wichtig. Die Entdeckung an der Stanford University in Kalifornien könnte zu neuen Diagnose- und Therapiemöglichkeiten führen.

Logo des Forschers Dr. Patrick Brown zum Thema "Wundheilungsgene fördern Tumorwachstum". Foto: Brown

Bereits in den 1980er Jahren beobachtete man, daß Tumoren sich wie eine niemals heilende Wunde verhalten: Zellen beginnen, sich schnell und häufig zu teilen, sie dringen in das umliegende Bindegewebe ein, und es bilden sich neue Blutgefäße. Die molekularen Zusammenhänge zwischen Tumorwachstum und Wundheilung waren bisher jedoch nicht bekannt.

Wissenschaftler um Dr. Patrick Brown gingen nun dieser Frage nach und simulierten im Labor den Wundheilungsprozesse, indem sie kultivierte Fibroblasten in Kontakt mit Blutserum brachten. Dadurch werden mehrere Gene aktiviert, die für die Wundheilung wichtig sind.

Mit Hilfe der DNA-Chip-Technik verglichen die Forscher dieses Genexpressionsprofil mit dem von über 100 und stellten in vielen Fällen verblüffende Übereinstimmungen fest, die darauf hinweisen, daß bei vielen Krebsarten die gleichen molekularen Programme wie bei der Wundheilung ablaufen.

"Wir denken, daß die Krebszellen falsche Signale an ihre Nachbarn senden, daß eine Verletzung aufgetreten ist," erläutert Brown. Dies setze die üblichen Wachstums- und Ausbreitungsbarrieren von Zellen außer Kraft und schaffe günstige Bedingungen für Tumorwachstum und Metastasenbildung, so Brown.

In der Studie, die in "Public Library of Science - Biology"online veröffentlicht wurde, war das Wundheilungsprogramm bei den Leber- und Prostatakarzinomen aktiviert, bei Brust-, Lungen- und Magenkrebs aber nur bei besonders aggressiven Tumoren. Die Forscher entwickeln jetzt einen Test, mit dem sich die Aktivierung früh erkennen läßt.

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