Ärzte Zeitung, 17.03.2004

Buprenorphin-Pflaster hat wenig unerwünschte Effekte

Zweimal Wechsel pro Woche genügt vielen Patienten

BERLIN (awa). Werden starke Tumorschmerzen durch ein intravenös kontinuierlich infundiertes hochpotentes Opioid adäquat gelindert, kann auf eine andere Darreichungsform umgestellt werden. Ein Pflaster mit dem Opioid Buprenorphin sollte verwendet werden, wenn die orale Aufnahme erschwert oder unmöglich ist.

An diese Option in der Tumor-schmerztherapie der Stufe III des WHO-Schemas - also bei stärksten Schmerzen - hat Dr. Robert Angster vom Zentralklinikum Augsburg beim Krebskongreß in Berlin erinnert.

Indiziert sei ein Pflaster bei Tumoren im Kopf- und Halsbereich oder einer Therapieresistenz wegen Erbrechen, Übelkeit oder Obstipation. Beim Umstellen muß darauf geachtet werden, daß transdermale Systeme Zeit benötigen, ehe die wirksamen Plasmaspiegel erreicht werden. Bei der ersten Anwendung der niedrigsten Dosis von 35 Mikrogramm pro Stunde Buprenorphin als Matrixpflaster - vom Unternehmen Grünenthal als Transtec® angeboten - könne das bis zu 36 Stunden dauern, so Angster. Die vorherige Medikation sollte diese Zeit noch überbrücken.

Transdermale Pflaster müssen alle 72 Stunden erneuert werden. Bei den meisten Patienten reiche es aber aus, das Pflaster nur zweimal in der Woche zu wechseln, berichtete Angster über seine klinischen Erfahrungen bei einer Veranstaltung des Unternehmens. Wichtig sei es, die für Tumorschmerzen charakteristischen Durchbruchschmerzen - mehrmals tägliche Schmerzspitzen - mit einem rasch wirksamen Opioid abzufangen.

Nach Angaben von Angster beträgt die maximale Tagesdosis für Buprenorphin acht Milligramm, ehe es zum Ceiling-Effekt kommt, das heißt eine Dosissteigerung, die keine weitere Schmerzreduktion auslöst. Früher habe man angenommen, dieser Effekt beginne schon bei zwei Milligramm, sagte der Schmerztherapeut. Im Vergleich zu anderen potenten Opioiden habe Buprenorphin seltener unerwünschte Wirkungen. Es wirke, so Angster, bei je sechs Prozent der Behandelten obstipierend und sedierend. Für Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion habe der Wirkstoff Vorteile, da er nur zu einem Drittel renal ausgeschieden wird.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »