Ärzte Zeitung, 04.03.2004

Proteasom-Hemmer wirkt beim rezidivierten Multiplen Myelom

Bortezomib unterbricht Zellzyklus / Kombinationstherapie

BERLIN (grue). Zur Behandlung von Patienten mit Multiplem Myelom gibt es mit dem Proteasom-Hemmer Bortezomib ein ganz neues Arzneimittel.

Das Borsäure-haltige Dipeptid Bortezomib ist seit 2003 unter dem Handelnamen Velcade™ in den USA für die Behandlung von Patienten mit Multiplem Myelom zugelassen, bei denen zuvor zwei andere Therapien versagt haben. Das Unternehmen Ortho Biotech erwartet Mitte dieses Jahres die europäische Zulassung.

Der Proteasom-Hemmer wird als intravenöse Bolusinjektion verabreicht. Er blockiert in Myelomzellen das Proteasom, einen zytoplasmatischen Enzymkomplex. Dadurch wird der Zellzyklus unterbrochen, und die Tumorzellen sterben. Im Vergleich zu gesunden Blutzellen ist die Proteasomaktivität in Tumorzellen erhöht.

Wie Dr. Martin Kropff vom Universitätsklinikum Münster beim 26. Deutschen Krebskongreß in Berlin gesagt hat, ist Bortezomib eine vielversprechende Therapie-Option bei Patienten mit refraktären und rezidivierten Plasmazellerkrankungen. In einer multizentrischen Phase-II-Studie mit 202 Patienten mit refraktärem Multiplem Myelom wurde mit Bortezomib, teilweise in Kombination mit Dexamethason, eine Ansprechrate von 35 Prozent erzielt, bei weiteren 24 Prozent schritt die Krankheit zumindest nicht weiter fort.

Die Patienten lebten im Mittel 16 Monate, davon zwölf Monate ohne Progression. Als unerwünschte Wirkungen können Thrombozytopenien, Übelkeit und periphere Neuropathien auftreten, die bei 14 Prozent der Studienteilnehmer sehr schwer ausfielen.

Wie Kropff auf einer von dem Unternehmen ausgerichteten Veranstaltung berichtete, wird Bortezomib jetzt auch in einer deutschen Therapiestudie unter Leitung der Deutschen Studiengruppe Multiples Myelom geprüft. Darin wird Bortezomib mit Dexamethason und oralem Cyclophosphamid kombiniert. "Vermutlich wirkt Bortezomib synergistisch mit Zytostatika", sagte Kropff.

In weiteren Studien werden deshalb Kombinationen von Bortezomib mit Doxorubicin, Arsentrioxid oder Thalidomid geprüft. Auch innerhalb von Hochdosis-Konzepten mit Transplantation hämatopoetischer Stammzellen werde Bortezomib Chancen eingeräumt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »