Ärzte Zeitung, 28.04.2004

Bei Krebs hat Prävention die oberste Priorität

Ein Drittel aller Krebserkrankungen durch falsche Ernährung mitbedingt / "Ärzte Zeitung" unterstützt Wanderausstellung / Folge 4

Auch im Kampf gegen Krebs gilt: Wissen ist Macht. Im "Europäischen Zug gegen Krebs" haben sich sehr viele Menschen über die Krankheit informiert. Ein wichtiges Thema dabei: Die Vorbeugung. Große Hoffnungen ruhen hier auf Ernährung, Medikamenten und Tabakkontrolle.

Von Peter Leiner

Im "Europäischen Zug gegen Krebs": Schautafel zur Hautkrebsprophylaxe. Foto: ug

Krebs, etwa in der Brust oder im Darm, ist noch immer Tabuthema. Verknüpft damit ist die Angst der Menschen vor Vorsorge-Untersuchungen.

Doch indem Risiken für Krebs, etwa Rauchen oder falsche Ernährung, minimiert werden und regelmäßige Untersuchungen eine frühzeitige Entdeckung von malignen Veränderungen möglich machen, gelingt es, die Krebsinzidenz zu verringern. Fast 57 000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Darmkrebs, 30 000 von ihnen sterben an den Folgen der Erkrankung.

"Sehr wichtig ist, die Öffentlichkeit über die Möglichkeiten der Früherkennung zu informieren. Die Menschen sollen keine Angst davor haben, sondern sie als Chance begreifen", hat die Gastroenterologin Professor Babette Simon aus Marburg bei einer Veranstaltung des Unternehmens Aventis in Frankfurt am Main gesagt.

Anlaß war die Wanderausstellung "Der Europäische Zug gegen Krebs" in fünf Waggons. Die Ausstellung,eine Initiative des Unternehmens Aventis, tourte die vergangenen sechs Tage durch drei Städte in Deutschland. Deutsche Partner der Ausstellung sind unter anderen die "Ärzte Zeitung" und die Deutsche Krebsgesellschaft. Letzter Halt des Zuges: Straßbourg am 3. und 4. Mai.

Simon erinnerte daran, daß falsche Ernährung, Bewegungsmangel und Rauchen die Entstehung von Darmkrebs fördern. Risikofaktoren seien vor allem der Verzehr von rotem Fleisch und zu wenig Ballaststoffe. Nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft werden bis zu 35 Prozent aller Krebserkrankungen durch die Ernährung mitbedingt.

Die größte Studie zum Zusammenhang zwischen Ernährung und Krebs ist die EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition). Aus ihren Zwischenergebnissen läßt sich ableiten: Der Verzehr von durchschnittlich 456 Gramm Obst und Gemüse am Tag verringert das Magenkrebs-Risiko um 45 Prozent im Vergleich zu jenen Menschen, die durchschnittlich nur 287 Gramm zu sich nehmen.

Ähnliches gilt für ein Pfund Obst am Tag beim Risiko für Bronchial-Ca. Für Brust- und Prostata-Krebs ergab sich bislang kein Schutz durch Obst und Gemüse. Bestätigt wurde, daß der Verzehr von Ballaststoffen mit einem verringerten Risiko für Kolorektal-Karzinome assoziiert ist. Wer durchschnittlich 34 g täglich zu sich nimmt, hat ein um 40 Prozent geringeres Risiko für diese Karzinome als Menschen, die nur 12 g essen. Seit fast vier Jahren gibt es deshalb die Gesundheitskampagne "5 am Tag" der Deutschen Krebsgesellschaft.

Auch medikamentös wird versucht, Krebs zu verhindern: 10 000 Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko etwa sollen in einer Studie fünf Jahre lang mit Anastrozol behandelt werden, um einem Mammakarzinom vorzubeugen.

Dreh- und Angelpunkt der sekundären Prävention bleibt die Früherkennung. Für manche Risikogruppen der Patienten mit Brust-, Darm- oder Zervix-Ca ist der Nutzen der Früherkennungsmaßnahmen durch randomisierte Studien belegt.

Der Gynäkologe Professor Manfred Kaufmann berichtete, daß sich mit Hilfe der Mammographie die Sterblichkeit durch Brustkrebs bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren um 15 bis 30 Prozent verringern läßt. Es gebe kein besseres Screening-Verfahren. Geplant ist, die Mammographie flächendeckend einzuführen. Bei Frauen ab 50 bis 69 Jahren ohne besonderes Risiko wird dann alle zwei Jahre eine Mammographie in zwei Ebenen vorgenommen werden.

Für die Darmkrebsvorsorge gibt es einen Test auf okkultes Blut im Stuhl, der ab 50 Jahren jährlich gemacht werden sollte. Zur Regelversorgung gehört seit einiger Zeit auch die Darmspiegelung ab dem 55. Lebensjahr, die alle zehn Jahre wiederholt werden soll.

Schutz vor Krebs durch Prävention - am meisten beeindruckt dieser Zusammenhang bei Rauchen und Krebs. Mehrere Studien belegen, daß sich das Krebsrisiko von Rauchern in zehn Jahren nach dem Beenden des Rauchens, dem von Menschen, die nie geraucht haben, angleicht.

Um der Zahl der Neuerkrankten an Lungenkrebs wirksamer als bisher begegnen zu können, setzen Onkologen auch hier verstärkt auf Prävention. Primär gilt es, Raucher zu ermutigen, mit dem Rauchen aufzuhören, und Kinder und Jugendliche so zu beeinflussen, daß sie erst gar nicht mit dem Rauchen beginnen. Auch in diesem Jahr hat das Deutsche Krebsforschungszentrum - wie berichtet - mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die Aktion "Rauchfrei 2004" für den Rauchverzicht gestartet.

Möglichst viele Raucher sollen ermutigt werden, vier Wochen lang - vom 1. bis zum 29. Mai - nicht zu rauchen und sich damit langfristig den Einstieg zum Nicht-mehr-rauchen zu erleichtern. Unterstützt wird die Aktion etwa von mehreren Tausend niedergelassenen Ärzten. Nach Angaben von Professor Peter Drings aus Heidelberg, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, ist inhalierter Tabakrauch Auslöser von 80 bis 85 Prozent aller Lungentumoren. Bis zu 30 Prozent aller Krebstodesfälle seien auf das Tabakrauchen zurückzuführen, so Drings.

Im "Zug gegen Krebs" wurde auch deutlich: Prävention fängt schon in der Kindheit an, etwa als Schutz vor der Sonne. Am besten, indem die Haut mit Kleidung oder Sonnenschutzmitteln vor der hautschädigenden UV-Strahlung bewahrt wird.

Weitere Beiträge zur Serie:
"Der europäische Zug gegen Krebs"

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