Ärzte Zeitung, 09.06.2004

Ein Risiko für Sekundärtumoren besteht lebenslang

Hodgkin-Kinder gefährdet

NEW ORLEANS (ner). Bei Kindern, die eine Krebserkrankung überstanden haben, muß lebenslang verstärkt auf ein Wiederauftreten einer malignen Krankheit, aber auch auf kardiopulmonale Komplikationen geachtet werden. Dies geht aus der Analyse großer Studien hervor.

Das Risiko für sekundäre Tumoren nach 20 Jahren beträgt durchschnittlich etwa fünf Prozent, wie Dr. Debra L. Friedman von der University of Minnesota in Minneapolis beim Kongreß der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in New Orleans im US-Staat Louisiana berichtet hat. Sie bezog sich dabei auf eine Untersuchung von 20 720 Kindern, deren Erkrankung zwischen den Jahren 1970 und 1986 diagnostiziert worden war, und die fünf Jahre nach Diagnosestellung noch lebten.

Besonders gefährdet sind demnach Kinder, die ein Hodgkin-Lymphom (HL) hatten (spätere Krebsinzidenz: 14 Prozent) sowie Kinder mit Knochentumoren und Weichteilsarkomen. Die am häufigsten vorkommenden sekundären Tumoren sind Brust- und Schilddrüsenkarzinome.

Bei Kindern, die wegen Krebs eine Blutstammzell-Transplantation erhalten und die kritische Zweijahres-Überlebenszeit geschafft haben, sterben zwischen dem zweiten und 15. Jahr nach der Diagnose noch 21 Prozent der Patienten, wie Dr. Smita Bhatia, ebenfalls aus Minneapolis, berichtete. Bhatia und seine Kollegen hatten Daten von 862 Patienten retrospektiv ausgewertet. Die meisten Patienten hatten eine akute myeloische Leukämie (AML) oder eine akute lymphatische Leukämie (ALL).

Häufigste Ursache der späten Todesfälle sind die Primärerkrankung sowie eine Graft-versus-Host-Erkrankung.

Wer eine ALL jedoch 15 Jahre oder länger hinter sich hat, hat dagegen kaum noch ein höheres Sterberisiko als die Normalbevölkerung, so eine retrospektive Analyse von 6400 Patienten an der gleichen Universität.

Nach Angaben von Dr. Leslie L. Robison beträgt die Überlebensrate 20 Jahre nach Diagnose 91 Prozent. Besonders die Einführung von Cyclophosphamid und von Anthrazyklinen in die Therapie habe zu einem verbesserten Langzeitüberleben geführt. Allerdings wurden auch in dieser Studie vermehrt kardiale oder pulmonale Komplikationen vor allem in den ersten zehn Jahren nach Diagnose festgestellt.

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