Ärzte Zeitung, 02.07.2004

Ermutigende Ergebnisse mit neuem Mittel gegen Nierenkrebs

Forscher beim Unternehmen Bayer haben Enzymhemmer gegen Nierenzell-Karzinom entwickelt / Beschleunigtes Zulassungsverfahren in den USA

LEVERKUSEN (ple). Mit einem neuen Krebsmittel aus der Forschung des Unternehmens Bayer sind nach kurzer Zeit schon ermutigende Ergebnisse erzielt worden. Dadurch ist in den USA bereits ein beschleunigtes Zulassungsverfahren möglich geworden.

"Spätestens 2006 können wir unseren Raf-Kinase-Hemmer voraussichtlich auf den Markt bringen", sagte Werner Wenning, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens bei einer Veranstaltung über Innovationen in Leverkusen. Sehr positiv habe bereits die US-Zulassungsbehörde auf das neue Mittel mit der Kurzbezeichnung Bay 43-9006 reagiert, so Dr. Udo Oels vom Vorstand des Unternehmens.

Durch Verleihung des "Fast-track"-Status könnten Studienergebnisse sukzessive eingereicht werden, was die Zulassung beschleunige. Geplant ist, das Krebsmittel bei vielen anderen Krebsarten auch, allen voran bei Melanom und bei Leberkrebs zu testen.

Das Besondere an Bay 43-9006 ist sein duales Wirkprinzip. Es hemmt nach Angaben von Professor Wolfgang Hartwig, Leiter der Sparte Bayer Healthcare, das Enzym Raf-1-Kinase. Der Hemmstoff blockiert dadurch sowohl die Zellteilung als auch die Entstehung neuer Gefäße.

In bisherigen Studien habe das Mittel bei 80 Prozent der Patienten den Tumor signifikant verkleinert oder zumindest das Tumorwachstum aufgehalten. Ähnliche erste Ergebnisse seien auch bei Patienten mit Melanom erzielt worden, die zudem Carboplatin und Paclitaxel erhalten hatten.

Bis heute seien nach einem Jahr seit Beginn der klinischen Studien schon mehr als 1000 Patienten mit Bay 43-9006 behandelt worden, so Hartwig. Es werde jetzt in Phase III bei mehr als 1000 Patienten mit Nierenzell-Karzinom geprüft.

Die Auswertung der bishierigen Studien hat zudem ergeben, daß Patienten mit einer erhöhten Aktivität des Biomarkers pERK, eines Membranproteins, besonders von der Therapie mit der neuen Substanz profitieren. In einer Phase-III-Studie werde die Aussagekraft des Markers jetzt überprüft, so Hartwig.

Bay 43-9006 wurde von den Patienten mit Nierenzell-Karzinom zweimal täglich über zwölf Wochen eingenommen. Wesentliche unerwünschte Wirkungen seien leichte Hautrötungen gewesen. Ansonsten werde das Medikament gut vertragen. Die Substanz wird gemeinsam mit dem Unternehmen Onyx Pharmaceuticals entwickelt.

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