Forschung und Praxis, 30.07.2004

Tyrosinkinase-Hemmer läßt gastrointestinale Stromatumoren schrumpfen

Ungefähr die Hälfte aller gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) treten im Magen und ein Viertel im Dünndarm auf. Die Diagnose sei nicht ganz einfach, da die Symptome in frühen Stadien sehr unspezifisch sind, so der Onkologe Dr. Peter Reichardt von der Charité in Berlin bei einer Veranstaltung des Unternehmens Novartis in Nürnberg.

Zu den Symptomen gehören unklare abdominale Schmerzen, frühes Sättigungsgefühl, Erbrechen, abdominale Blutungen oder Obstipation und eine Fatigue aufgrund einer Anämie. Etwa 20 Prozent der GIST seien Zufallsbefunde.

Verbesserte molekularbiologische Verfahren zur Diagnose ermöglichen inzwischen eine zuverlässige Abgrenzung von gastrointestinalen Sarkomen und benignen Tumoren. Die Diagnose GIST wird durch den Nachweis von CD117 (c-Kit) auf der Zelloberfläche von fein-bioptisch gewonnenen Gewebeproben gesichert.

Seit einiger Zeit sei bekannt, daß bei GIST eine Mutation des c-Kit-Rezeptors (CD117) vorliegt. Dieser Rezeptor werde gezielt durch den Tyrosinkinasehemmer Imatinib (Glivec®) gehemmt. Bei mehr als 80 Prozent der Patienten werde durch eine Therapie mit Imatinib in der Standarddosierung von 400 mg pro Tag eine Hemmung des Tumorwachstums erreicht, und bei mehr als der Hälfte der Patienten komme es zu einer mehr als 50prozentigen Rückbildung des Tumors, berichtete Reichardt.

Manche Patienten sprechen allerdings nur für einige Zeit auf Imatinib an, so der Onkologe. Eine Studie, die beim ASCO in New Orleans präsentiert wurde, habe ergeben, daß Imatinib bei diesen Patienten dann nicht vorschnell abgesetzt werden sollte, denn bei 82 Prozent kam es nach Absetzen der Substanz rasch zu einer sichtbaren Tumorprogression.

Eine weitere Studie, die ebenfalls beim ASCO vorgestellt wurde, habe den Vorteil einer Dosiserhöhung bei Patienten, bei denen die Erkrankung unter Imatinib fortschreitet, gezeigt: Bei etwa einem Drittel von ihnen führte eine höhere Dosis von 800 mg / Tag Imatinib zum erneuten Ansprechen und zur Krankheitsstabilisierung. (sto)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »