Ärzte Zeitung, 17.12.2004

Somatostatin-Analoga können Tumorbeschwerden lindern

Patienten mit neuroendokrinen Tumoren werden meist operiert / Mit Octreotid verringern sich die Beschwerden bei 80 Prozent der Behandelten

LEIPZIG (grue). Für Patienten mit gastrointestinalen neuroendokrinen Tumoren sind Somatostatin-Analoga, die die überschießende Hormonsekretion im Magen-Darm-Trakt hemmen, eine gute Option für die symptomatische Therapie. Ähnlich wirksam - aber nicht so gut verträglich - ist Interferon-alpha.

Eine Übersicht zu den Behandlungsmöglichkeiten von Patienten mit seltenen neuroendokrinen Tumoren (NET) im Gastrointestinaltrakt hat Professor Bertram Wiedenmann vom Campus Virchow-Klinikum in Berlin bei einer Veranstaltung des Unternehmens Novartis in Leipzig gegeben. Die Tumoren entwickeln sich aus endokrinen Zellen, oft als Karzinoid im Dünndarm oder als Insulinom im Pankreas. Zur Hälfte produzieren sie keine Hormone, machen dann auch kaum Beschwerden und wachsen nur langsam. Hormonaktive Tumoren verursachen dagegen je nach Lokalisation Symptome wie heftige Durchfälle und anhaltende Gesichtsrötung.

Die Behandlung von Patienten mit NET stützt sich primär auf die operative Entfernung der Tumoren, auch in Kombination mit Verfahren wie Embolisation und Radiofrequenzablation, zum Beispiel bei Lebermetastasen. Die Chemotherapie mit dem Glukosamin-Derivat Streptozotocin, 5-FU und Doxorubicin hat eine untergeordnete Bedeutung.

Gut etabliert sind aber medikamentöse symptomatische Therapien. Mit dem Somatostatin-Analogon Octreotid (Sandostatin®) verringerten sich die Beschwerden bei etwa 80 Prozent, sagte Wiedenmann. Bei einem Teil der Patienten werde damit auch das Tumorwachstum gehemmt. Eine Reduktion der Tumormasse sei aber selten. Auch mit Interferon-alpha könne die Hypersekretion hormonproduzierender Tumore gedämpft werden. Die Behandlung sei aber nicht so gut verträglich.

Innovative Therapien zielen auf die Hemmung der Gefäßneubildung, der Signaltransduktion oder eine Arretierung des Tumorzellzyklus. Sie sind noch nicht etabliert. "Dagegen gewinnt die Radio-Rezeptor-Therapie an Bedeutung", sagte Wiedenmann. Die Behandlung wird mit Dotatoc, also der Peptidverbindung DOTA-d-Phe1-Tyr3-Octreotide vorgenommen. Sie kann etwa mit dem ß-Strahler Yttrium-90 (90Y) markiert werden und lagert sich an Somatostatin-Rezeptoren der Tumorzellen an. So werden diese direkt bestrahlt.

Professor Bertram Wiedenmann leitet die Arbeitsgemeinschaft Neuroendokrine Tumore der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Die AG-NET will evidenzbasierte Therapieempfehlungen erarbeiten und steht allen Ärzten offen. Kontakt über Tel. 0 30 / 4 50 55 35 52.

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