Ärzte Zeitung, 17.11.2004

George W. Bush, Serena Williams - in USA trägt man gelb

Solidarität mit Krebskranken / Das gelbe Gummi-Armband der Lance-Armstrong-Stiftung ist in kurzer Zeit der letzte Modeschrei geworden

WASHINGTON (dpa). Ein Gummi-Armband in leuchtendem Gelb hat sich in den USA in kürzester Zeit zu einem der coolsten Mode-Hits entwickelt. Wer in sein will, der hat's: Präsident George W. Bush, Schauspieler Bruce Willis, Tennisspielerin Serena Williams. Und etwa 22 Millionen andere Menschen, die meisten in den USA, aber die Modewelle ist schon in 60 andere Länder geschwappt.

"Livestrong" (lebe stark) steht auf dem leuchtend gelben Armband. Das ist Lance Armstrongs persönliches Motto, nach dem der sechsfache Tour-de-France-Sieger seine eigene Krebserkrankung besiegt hat. Foto: dpa

Die Rede ist von Armbändern mit der Aufschrift "LIVESTRONG" (lebe stark), eine Idee der Krebsstiftung des sechsfachen Tour-de-France- Gewinners Lance Armstrong. "Live Strong" ist Armstrongs Lebensmotto, nach dem er selbst den Krebs besiegt hat und anschließend in den Olymp der weltbesten Radfahrer aufgestiegen ist.

Die Lance-Armstrong-Foundation suchte im Frühjahr nach einem Spendenkick. Der Sportartikelhersteller Nike kam auf die Idee mit dem Armband. Fünf Millionen Bänder wollte die Stiftung für je einen Dollar verkaufen, und Nike versprach, noch eine Million Dollar (770 000 Euro) als Spende draufzulegen.

Doch der Erfolg hat alle Erwartungen der Stiftung in den Schatten gestellt. Seit Mai sind mehr als 22 Millionen Bänder verkauft worden, auch ins Ausland. Der Hersteller hat Lieferprobleme. Der Stiftungsshop braucht inzwischen drei bis vier Wochen, um den Bestellungen nachzukommen. "Unser absoluter Rekord war am 20. September. An dem einen Tag haben wir 382 000 Bänder verkauft", sagt Sprecherin Michelle Milford. Die Stiftung will natürlich weitermachen, solange die Nachfrage anhält.

Nach Angaben von Milford erhält die Stiftung jeden Tag hunderte Briefe und E-Mails. So haben Familien Bänder gekauft und auf der ganzen Krebsstation verteilt, auf der einer ihrer Angehörigen behandelt wurde. Andere gaben die Bänder als Solidaritätsgeschenk an Hochzeitsgäste. Auch auf Beerdigungen wurden die Armbänder ausgegeben. "Die Bänder verbinden", sagt Milford.

"Ich trage gelb, weil Leute mit Krebs wissen müssen, daß sie nicht allein sind", sagt Darlene Ayers-Johnson (36). Sie selbst und ihre Tochter Cynthia (16) haben den Krebs besiegt. "Gelb ist für mich die Farbe der Sieger. Sieg über die Herausforderung", sagt Tom Yonker, dessen Frau Maxime seit acht Jahren gegen Krebs kämpft.

Lance Armstrong (33) hat seine Stiftung 1997 ins Leben gerufen, nachdem er selbst an Hodenkrebs erkrankt war. Die Stiftung unterstützt die Forschung und will Krebspatienten und -überlebenden sowie Familien helfen. Dazu stehen unter www.livestrong.org zum Beispiel umfangreiche Artikel mit Lebenshilfetips im Netz. Es geht um Praktisches wie Versicherungs- und Arbeitsplatzprobleme, Behandlungsinformationen, aber auch Beziehungsfragen.

"Ich bin einer von zehn Millionen Amerikanern, die Krebs überlebt haben", sagt Armstrong. "Das sind für mich zehn Millionen Gründe, das Armband zu tragen." Armstrong ist im Gelben  Trikot des Tour-de- France-Siegers zum Inbegriff des Triumphs über eine der größten Herausforderungen im Leben geworden: eine lebensbedrohende Krankheit.

In amerikanischen Schulen sind die Armbänder heiße Ware. Drei Dollar verlangen clevere Schüler, die sich einen Vorrat gesichert haben. Auch auf einschlägigen Auktions-Webseiten sind die Bänder inzwischen zu ersteigern. Die Stiftung verweist allerdings darauf, daß die Verkäufer sich damit meist in die eigene Tasche wirtschaften.

Die Lance-Armstrong-Stiftung im  Internet: www.laf.org

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