Ärzte Zeitung, 01.12.2004

Pipeline mit vielversprechenden Substanzen für Krebskranke

Ortho Biotech hat im April Bortezomib als Therapie bei Multiplem Myelom eingeführt / Forschung zu Mitteln, die etwa bei Nierenzell-Ca wirken

DÜSSELDORF (ts). Onkologen haben einen Traum: Sie träumen von einer pharmakologischen Therapie, mit der sie alle Tumorzellen zerstören, aber nicht eine einzige gesunde Zelle. Ob dieses Ziel jemals erreicht wird, mag bezweifelt werden. Aber unstreitig ist, daß die Tumortherapeuten in den vergangenen Jahren einige Fortschritte gemacht haben. Nur ein Beispiel dafür ist der Enzym-Hemmstoff Bortezomib des Unternehmens Ortho Biotech. Weitere Substanzen sind bei dem zu Janssen-Cilag gehörenden Unternehmen in der Entwicklungsphase.

Bortezomib (Velcade®) ist ein sogenannter Hemmstoff des zellulären, extralysosomalen Enzymkomplexes Proteasom, das Tumorzellen mehr als gesunde Zellen benötigen. Der Enzym-Hemmstoff ist in Deutschland seit April dieses Jahres zugelassen für die Therapie von Patienten mit Multiplem Myelom.

Wie wirksam das neue Zytostatikum ist, das zum Beispiel die Apoptose steigert, hat vor allem eine Phase-II-Zulassungsstudie (SUMMIT) ergeben. Bei 202 Patienten, die als austherapiert galten, wurde mit Bortezomib noch eine Ansprechrate von 35 Prozent erzielt und eine mediane Überlebenszeit von fast eineinhalb Jahren. Außerdem wurde die Lebensqualität der Patienten gebessert, wie Professor Mohammad Resa Nowrousian vom Tumorzentrum der Universität Essen während der Medica berichtet hat.

Eine weitere Studie, eine multizentrische Phase-III-Studie (APEX) mit 669 Patienten, habe zudem ergeben, daß Bortezomib auch bei Patienten mit rezidiviertem oder therapierefraktärem Multiplen Myelom noch wirksam sei, also die Prognose bessere, berichtete der Onkologe auf einer Veranstaltung von Ortho Biotech.

Aufgrund der Überlegenheit des neuen Zytostatikums - Vergleichssubstanz war das Standard-Medikament Dexamethason - wurde die Studie aus ethischen Gründen vorzeitig beendet. Der Zulassungsantrag für die Rezidiv-Therapie ist bei der US-amerikanischen und bei der europäischen Zulassungsbehörde eingereicht.

Eine vielversprechende Substanz ist nach Einschätzung von Nowrousian das Tipifarnib (Zarnestra®), ein Hemmstoff der Farnesyltransferase. Durch diese Enzymhemmung wirkt das neue Zytostatikum auf Tumorzellen antiproliferativ, antiangiogenetisch und apoptosefördernd. Positive Ergebnisse seien mit der neuen Substanz als Monotherapeutikum bei myeloischen Malignomen (akute myeloische Leukämie, chronisch myeloische Leukämie und myelodysplastisches Syndrom) bereits in Phase-I- und -II-Studien erzielt worden.

Darüber hinaus habe das Unternehmen mehrere Substanzen in der Forschungspipeline, berichtete Chris Y. F. Vosch, General Manager bei Ortho Biotech.

Da ist zum Beispiel die Substanz ET-743 (Yondelis™) für Patienten mit Weichteilsarkom, außerdem der Anti-Interleukin-6-Antikörper CNTO 328 gegen Nierenzellkarzinome. Ebenfalls in der Pipeline sind nach Aussage von Vosch Diagnostika, etwa zum Nachweis von Tumorzellen, die im Blut zirkulieren, sowie zum raschen intraoperativen Nachweis von Tumorzellen in Lymphknoten bei Frauen mit Mamma-Ca.

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