Ärzte Zeitung, 14.01.2005

Bei Tumorschmerzen ist differenzierte Therapie nötig

Basistherapeutika sind bei starken Schmerzen retardierte Opiate / Gegen Durchbruchschmerzen sollte Bedarfsmedikation zur Hand sein

BERLIN (gvg). Patienten mit Tumorschmerzen brauchen eine differenzierte Schmerztherapie. So sollte bei Durchbruchschmerzen zwar mit rasch wirksamen Schmerzmitteln behandelt werden, eine alleinige Behandlung damit genüge jedoch nicht, betonen Berliner Schmerztherapeuten.

"Das erste Ziel der Schmerztherapie muß sein, einen ungestörten Nachtschlaf zu ermöglichen", sagte der Berliner Schmerztherapeut Dr. Michael Schenk. Wer zum Beispiel Tumorschmerz-Patienten nur Tilidin/Naloxon-Tropfen oder Tramadol-Tropfen auf den Nachttisch stelle, der tue damit nicht genug, so Schenk auf einem Symposium in Berlin. Basistherapie sind für Schenk und seine Kollegen von der Schmerzambulanz der Charité Berlin bei starken Schmerzen retardierte Opiate. Dabei komme es gar nicht so sehr auf die Substanz und die Applikationsart an, wie Schenk auf der von Bristol-Myers Squibb unterstützten Veranstaltung betont hat: "Ein Arzt sollte das Präparat nehmen, mit dem er Erfahrung hat und das er einschätzen kann".

Wichtig sei in Ergänzung dazu die Therapie bei Durchbruchschmerzen mit kurz wirksamen Schmerzpräparaten wie Tilidin/Naloxon, Tramadol oder anderen oralen Opiaten. "Die Faustregel für die Dosierung lautet: Für die Bedarfsmedikation wird ein Sechstel bis ein Zehntel der Tagesdosis der Basistherapie veranschlagt", so Schenk. Wer etwa als Basistherapie zweimal täglich eine 4-mg-Kapsel Hydromorphon retard erhalte, bei dem könnten als Bedarfsmedikation 1,3 mg nicht-retardiertes Hydromorphon empfohlen werden, sagte der Schmerzexperte
Schenk erinnerte auch an die Bedeutung der Begleitmedikation. So empfiehlt er bei Patienten, die neu auf Opiate eingestellt werden, generell eine antiemetische Behandlung. Diese könne nach etwa drei Wochen langsam ausgeschlichen werden. Einfach und preisgünstig sei zum Beispiel die Anwendung von dreimal täglich 0,3 bis 0,5 mg Haloperidol oder dreimal 20 mg Metoclopramid. Bei hartnäckigerer Übelkeit verwenden die Berliner Kollegen Ondansetron und gegebenenfalls Dexamethason.

Die Neigung zur Obstipation während einer Opiattherapie könne durch Anwendung von Pflastern gemindert werden. Kommen die nicht in Frage, so habe eine Behandlung mit Macrogol-haltigen Präparaten im Vergleich zu den verbreiteten Lactulose-Präparaten den Vorteil, daß es dabei nicht zu Blähungen komme, so Schenk.

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