Ärzte Zeitung, 10.01.2005

Bortezomib verlängert das Leben von Myelom-Patienten

Medikament wurde mit Innovationspreis ausgezeichnet

MÜNCHEN (sto). Für Patienten mit rezidiviertem Multiplen Myelom gibt es mit Bortezomib eine neue Therapie. In klinischen Studien habe die Ansprechrate bei Patienten mit Rezidiv zwischen 30 und 50 Prozent gelegen, so Professor Hartmut Goldschmidt von der Uni Heidelberg. Das mediane Gesamtüberleben verdoppelte sich durch Bortezomib auf etwa 18 Monate.

Das Zytostatikum Bortezomib (Velcade®) ist der erste zugelassene Proteasom-Hemmer und damit ein völlig neuartiges Medikament in der Onkologie. Die Pharmazeutische Zeitung (PZ) hat den Wirkstoff deshalb jetzt mit ihrem Innovationspreis 2004 ausgezeichnet.

Die Substanz biete Myelom-Patienten neue Hoffnungen und habe vielleicht sogar das Potential, bei weiteren Indikationen in der Krebstherapie genutzt zu werden, sagte PZ-Chefredakteur Professor Hartmut Morck in München bei der Preisverleihung an das Unternehmen Janssen-Cilag.

Schon in den ersten Studien habe sich die Wirksamkeit von Bortezomib gezeigt, sagte Goldschmidt. So wurden in einer multizentrischen Phase-II-Studie 202 Patienten mit rezidiviertem und refraktärem Multiplen Myelom mit Bortezomib behandelt, die im Median zuvor bereits sechsmal behandelt worden waren. Zwei Drittel der Patienten hatten bereits eine Stammzelltransplantation. 84 Prozent waren auch schon mit Thalidomid behandelt worden.

Von den Patienten erreichten knapp 28 Prozent eine komplette oder partielle Remission. Bei 24 Prozent wurde eine Stabilisierung der Krankheit beobachtet. Das mediane Überleben, das bei diesen Patienten sonst bei etwa sechs bis neun Monaten liegt, liege inzwischen bei 17,5 Monaten, so Goldschmidt.

Eine Phase-III-Studie, in der 669 Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Multiplem Myelom und bis zu drei Vortherapien entweder mit Bortezomib oder mit Dexamethason in einer Hochdosistherapie behandelt wurden, wurde vorzeitig beendet, nachdem der primäre Endpunkt der Studie, die Zeit bis zur Progression, unter Bortezomib bei gleicher Verträglichkeit um 58 Prozent verlängert war, so Goldschmidt.

Derzeit wird die Wirksamkeit von Bortezomib auch bei Non-Hodgkin-Lymphomen sowie beim Bronchial-, Mamma- und Prostata-Karzinom geprüft.

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