Ärzte Zeitung, 09.02.2005

Die Spürnasen von Hunden können Krebs erschnüffeln

In Südafrika werden Hunde speziell trainiert / 90 Prozent der Atemproben von Krebskranken haben Hunde erkannt

Kann Krebs riechen: der portugiesische Wasserhund McCloud mit seinem amerikanischen Trainer Kirk Turner (links) und dem Südafrikaner Marius Barnard. Foto: dpa

Von Ralf E. Krüger

Shing Ling war der Beste. Er erschnüffelte bei Atemproben von Krebspatienten in 90 Prozent der Fälle das richtige Ergebnis. Das zumindest behauptet sein Trainer Kirk Turner, der die Schnüffelnase für richtungweisend bei der Krebs-Früherkennung hält.

"Ich glaube fest daran, daß Hunde bei Menschen mit einer Erfolgsquote von über 90 Prozent Krebserkrankungen erkennen können", sagt der in Südafrika lebende Amerikaner. Er stützt seinen Optimismus auf eine noch unveröffentlichte dreimonatige Testreihe, die er vergangenen Sommer im Auftrag der kalifornischen Pine-Street-Klinik gemacht hat.

Anders als britische Wissenschaftler, die mit Urinproben auf eine immerhin gute Erfolgsquote von 41 Prozent kamen (wir berichteten), hatte der Trainer seine Schützlinge zweieinhalb Wochen mit Atemproben trainiert. Bei den Tieren handelte es sich um Pudel, Labradors und sogenannte portugiesische Wasserhunde. Aus einer Gruppe von fünf Proben mußte jeder Hund in wechselnder Versuchsanordnung Atemproben eines Patienten mit Brust- oder Darmkrebs erkennen.

Die von einem polnischen Genforscher überwachte und gefilmte Testreihe steht nach Turners Angaben kurz vor der Veröffentlichung im Fachblatt "Cancer". Die britische Ärztin Carolyn Willis vom Londoner Amersham Hospital, die mehrere Hunde Urinproben von Blasenkrebspatienten identifizieren ließ, sei beauftragt worden, die Veröffentlichung kritisch gegenzulesen.

Turner experimentiert mit seinen vierbeinigen Krebsschnüfflern seit 1999. Damals kontaktiert ihn der von der chinesischen Medizin faszinierte US-Krebsforscher Michael Broffman. Den Chinesen war schon vor 3000 Jahren bekannt, daß Hunde mit ihren extrem empfindlichen Nasen Krankheiten beim Menschen erriechen können. Wie dies genau geschieht, gilt aber noch immer weitgehend als unklar.

Dennoch ist Turner überzeugt: "Es funktioniert offensichtlich auch bei anderen Krebsarten sowie anderen Krankheiten." Als Beleg führt er zwei Anekdoten an. Als ein japanisches TV-Team seine Arbeit filmte, legte sich Shing Ling auf die Füße des Kameramanns. "Später stellte sich heraus, daß der Mann Lungenkrebs hatte", sagt Turner.

Ein anderes Mal legte sich Shing Lings Gefährtin, das Labrador-Weibchen Isabelle, bei einem Hunde-Wettbewerb auf die Füße einer Jurorin. Als man die Frau deswegen zu einer Krebs-Untersuchung drängte, wurde bei ihr ein Melanom im Frühstadium diagnostiziert. Turner: "Isabelle wurde dafür später als, ,America’s top dog‘ ausgezeichnet".

In den vergangenen Jahren hatten Ärzte bereits mehrmals von Hunden berichtet, die diverse Krebserkrankungen erschnüffelten. Erstmalig hatte der "Lancet" 1989 von einem Hund geschrieben, der ständig intensiv am Hautkrebs seiner Besitzerin schnupperte.

Die Vierbeiner werden bisher aber auf Grund ihres hoch entwickelten Geruchssinns vor allem in der Drogenfahndung oder beim Aufspüren von Bomben, verschütteten Menschen oder Leichen eingesetzt. Auch Turner, der in seiner bisherigen Karriere nach eigenen Angaben etwa 4000 Hunde dressiert hat, hat Hunde für entsprechende Zwecke ausgebildet.

Er bemüht sich zurzeit um die Finanzierung eines dreijährigen Großversuchs, um in Südafrika die Erkenntnisse weiter zu erhärten. Und träumt bereits davon, seine Vierbeiner auch auf das Erkennen von Aids oder Tuberkulose abzurichten und somit den Gesundheitssystemen weltweit möglicherweise Milliardenbeträge sparen zu helfen.

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