Ärzte Zeitung, 31.03.2005

Stimulantien helfen Tumorkranken mit starker Erschöpfung

Erste, positive Zwischenergebnisse einer Studie mit Modafinil / Therapie verbessert Aufmerksamkeit und Beweglichkeit

FRANKFURT/MAIN (hbr). Jeden zweiten Krebspatienten plagt fast täglich eine ausgeprägte Müdigkeit und Erschöpfung. Die Behandlung bei dieser Tumor-Fatigue sollte mehrgleisig erfolgen. Dabei können die Patienten nach vorläufigen Studienergebnissen auch von einer stimulierenden Therapie mit Modafinil profitieren.

In einer Studie mit 19 Fatigue-Patienten prüfen Kollegen von der Universität Bonn derzeit den Effekt von Modafinil (Vigil®), das bei Patienten mit Narkolepsie oder Schlafapnoe die Wachheit und die Vigilanz erhöht. Zur Behandlung bei Tumor-Fatigue ist es bislang nicht zugelassen.

Erste Zwischenergebnisse sprechen für einen Nutzen. Kognitive Leistungen und Mobilität werden verbessert, haben Messungen mit einer 40-Punkte-Müdigkeitsskala ergeben. Darauf hat Dr. Stefan Wirz von der Universität Bonn auf einer Veranstaltung in Frankfurt am Main hingewiesen.

Depressive Symptome wurden mit der Modafinil-Therapie gelindert, und Schlafstörungen ließen nach. Ein- und Durchschlafstörungen, so Wirz bei einer von Cephalon unterstützten Veranstaltung, zählen zu den Fatigue-Symptomen: "Der Schlaf ist nicht erholsam. Er ist oft unterbrochen, und die Patienten fühlen sich morgens wie gerädert."

Mit Modafinil verbesserten sich die Ergebnisse in Aufmerksamkeitsbelastungstest. Außerdem wurden die Patienten damit deutlich mobiler: Auf einer Immobilitätsskala von null (aktiv und fit) bis vier (völlig pflegebedürftig) war der Wert nach drei Wochen von 2,7 auf 2,1 gesunken.

Außer Immobilität und Müdigkeit mit hohem Ruhebedürfnis sind Muskelschwäche und Anämie weitere Symptome des Fatigue-Syndroms: "Wenn Sie einen Patienten zu Hause besuchen und er kann die Treppe nicht mehr hinuntergehen, dann haben Sie in Kombination mit objektivierbaren Befunden wie einer Anämie einen eindeutigen Hinweis."

Die Behandlung sollte multimodal angelegt sein, empfahl Wirz. Dazu gehört unter anderem ein Ausgleich der Anämie, oft auch eine unterstützende Psychotherapie. Häufig muß die Ernährung verbessert und es müssen Vitamine und Elektrolyte substituiert werden.

Eine Walking-Studie mit über 100 Tumorpatienten hat zudem ergeben, daß die Patienten von körperlichem Training ebenfalls spürbar profitieren.

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