Ärzte Zeitung, 31.10.2005

"Frühdiagnose und Immuntherapie sind künftige Säulen der Onkologie"

Enorme Fortschritte für die Medizin durch Arbeiten der Robert-Koch-Preisträger

BERLIN (gvg). Gezielte Medikamente und eine möglichst frühe Diagnose -, das sind die Schlüssel, um bösartigen Tumorerkrankungen ihren Schrecken zu nehmen. Auch zelluläre Immuntherapien könnten Tumorpatienten in Zukunft helfen.

Professor Brian Druker: Bei Immuntherapien gegen Krebs stehen wir erst ganz am Anfang.
Professor Emil Unanue: Vielversprechend ist die Therapie mit Zellen, die mit Tumorantigenen beladen werden.
Fotos: Robert-Koch-Stiftung

Die Einführung der Substanz Imatinib habe die prinzipielle Machbarkeit und den hohen medizinischen Nutzen einer molekulargezielten Tumortherapie unter Beweis gestellt, sagte Professor Brian Druker aus Portland im US-Bundesstaat Oregon aus Anlaß der Verleihung des Robert Koch-Preises in Berlin. Wie berichtet ist Druker am Freitag für seine Arbeiten zur Anwendung von Imatinib bei chronischer myeloischer Leukämie (CML) mit dem Robert Koch-Preis 2005 geehrt worden.

Druker sieht Imatinib, mit dem bei neu diagnostizierten CML-Patienten nach 42 Monaten eine hämatologische Remissionsrate von 98 Prozent erreicht wird, nur als ersten Schritt, dem viele weiter folgen werden: "Wir stehen erst ganz am Anfang", sagte er und verwies auf erste Erfolge bei der Identifizierung tumorspezifischer Moleküle beim Prostata- und Mamma-Ca sowie bei einem Teil der Patienten mit Bronchial-Ca.

Abgesehen von der gezielten Therapie sind für Druker die Frühdiagnose und die Immunbehandlung die weiteren, tragenden Säulen der künftigen Onkologie, eine Auffassung, der sich auch Professor Emil Unanue aus St.Louis anschloß. Er wurde mit der Robert Koch-Medaille in Gold für sein Lebenswerk zur Antigenerkennung geehrt.

Für sehr vielversprechend hält Unanue die Re-Infusion patienteneigener, antigenpräsentierender Zellen, die außerhalb des Körpers mit Tumorantigenen beladen werden. "Das ist ein experimentell sehr effektives Immunisierungsverfahren, das bald in die Krebstherapie Eingang finden könnte", so Unanue.

Der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Dr. Klaus-Theo Schröder, würdigte die Leistungen von Druker und Unanue als Inspirationsquelle für den wissenschaftlichen Nachwuchs: "Die Arbeiten der Preisträger haben der Medizin enorme Fortschritte beschert."

Der Robert Koch-Preis der Robert Koch-Stiftung ist einer der angesehensten Wissenschaftspreise Deutschlands. Er ist mit 100 000 Euro dotiert und wird jährlich an Forscher verliehen für hervorragende, international anerkannte wissenschaftliche Leistungen. Schirmherr der Stiftung ist Bundespräsident Horst Köhler.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Amazonas-Volk hat die gesündesten Gefäße weltweit

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »

Kiffen schädigt wohl doch Herz und Hirn

Cannabis-Konsum erhöht offenbar doch das Risiko für Schlaganfall und Herzschwäche. Zumindest hat sich ein entsprechender Zusammenhang in einer umfassenden US-amerikanischen Analyse gezeigt. mehr »