Ärzte Zeitung, 23.11.2005

Bisphosphonate sind effektiv - oral oder infundiert

Vergleich klinischer Daten

MÜNCHEN (wst). Um bei Krebspatienten Knochenschmerzen zu mindern und skelettalen Komplikationen vorzubeugen, sind orale Bisphosphonate ebenso gut geeignet wie intravenöse. Da toxische Spiegel bei oraler Applikation weniger zu befürchten sind als nach intravenöser Infusion, haben orale Bisphosphonate Vorteile für die Nierenverträglichkeit.

Mit Einführung der intravenös infundierten Bisphosphonate sahen nicht wenige Kollegen das baldige Ende der Ära oraler Bisphosphonate voraus, sagte Privatdozent Axel Glasmacher vom Universitätsklinikum Bonn. Überzeugend schien vor allem die um ein vielfaches bessere Bioverfügbarkeit und die höhere In-vitro-Potenz der intravenösen Alternativen.

Studien belegten jedoch, daß die In-vitro-Wirksamkeit wenig über die Wirksamkeit in vivo aussage. Werde zudem die Dosis zur Kompensation der schlechteren Bioverfügbarkeit angepaßt, lieferten orale Bisphos-phonate mindestens ebenso gute klinische Ergebnisse wie intravenöse.

Auf einer Veranstaltung der Unternehmen Hoffmann-La Roche und Mundipharma in München verwies Glasmacher in diesem Zusammenhang auf die Ergebnisse einer Cochrane-Metaanalyse. Danach reduziere orales Clodronat bei Patienten mit multiplem Myelom die Rate vertebraler Frakturen, das Auftreten schwerer Knochenschmerzen und die Inzidenz der Hyperkalzämie genauso gut wie infundiertes Pamidronat (Cochrane Database Syst Rev 3, 2002, CD003188 2002).

Die Effektivität oraler Bisphosphonate habe sich auch in indirekten Vergleichsuntersuchungen gezeigt: Bei Frauen mit metastasiertem Mammakarzinom habe Ibandronat (von Hoffmann-La Roche als Bondronat® angeboten) mit täglicher oraler Dosierung von 50 mg skelettale Komplikationen ebenso effektiv vermieden wie in der üblichen intravenösen Dosierung von 6 mg alle drei bis vier Wochen.

Einen Vorteil intravenöser Bisphosphonate sieht Glasmacher in Situationen, in denen eine schnellstmögliche maximale Wirkung erforderlich ist: also etwa bei bereits bestehender Hyperkalzämie, bei massiven Knochenmetastasen mit akuter Bruchgefahr und zumindest initial auch bei sehr starken Knochenschmerzen.

Um das nephrotoxische Potential infundierten Bisphosphonats zu beherrschen, dürfe die empfohlene Mindestinfusionsdauer des Herstellers keinesfalls unterschritten werden, betonte Glasmacher.

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