Ärzte Zeitung, 23.11.2005

Krebskranke brauchen hochdosiertes Heparin

Niedrige Thromboserate mit niedermolekularem Heparin (NMH) Dalteparin / NMH schützen auch vor Rezidiv

BERLIN (kas). Niedermolekulare Heparine (NMH) sind Mittel der Wahl zur Thrombose- und Thromboserezidiv-Prophylaxe bei Tumorpatienten, die sich einer Operation unterziehen. Aufgrund des hohen Risikos sollten die NMH hoch dosiert und ausreichend lange gegeben werden, sagt Professor Bettina Kemkes-Matthes aus Gießen.

Nahezu die Hälfte aller Todesfälle bei Krebskranken im Zusammenhang mit Operationen sind auf Thromboembolien zurückzuführen. Überhaupt sind thromboembolische Komplikationen die zweithäufigste nicht-tumorbedingte Todesursache bei Tumorpatienten.

Und: Bei jedem siebten Tumorpatienten wird eine Thrombose diagnostiziert, nach den Ergebnissen von Autopsiestudien sogar bei nahezu jedem zweiten Krebskranken. Ursache dafür ist meist die Gerinnungsaktivierung durch den Tumor.

    Verlängerung der Therapie auf vier Wochen ist von Vorteil.
   

Da Krebskranke, was Thromboembolien betrifft, somit zur Hochrisikogruppe gehören, benötigen sie eine Hochrisiko-Dosierung, zum Beispiel bei Dalteparin (Fragmin®) eine Fixdosis von 5000 IE AXa subkutan. Die Prophylaxe dürfe nicht zu früh beendet werden, sagte Kemkes-Matthes auf dem von Pfizer unterstützten 9. Symposium "Aktuelles zur Thrombose".

So führte in einer Studie die postoperative Dalteparin-Prophylaxe über 28 Tage im Vergleich zu nur sieben Tagen bei Hochrisikopatienten - viele von ihnen hatten ein Malignom - zu einer hochsignifikanten Reduktion der Thromboserate. Vier Wochen seien einer Woche Rezidiv-Prophylaxe daher auf jeden Fall vorzuziehen, so Kemkes-Matthes.

Auch bei Patienten, die bereits eine Thromboembolie erlitten haben, hat sich die Rezidivprophylaxe mit NMH als vorteilhaft erwiesen. In der CLOT-Studie erhielten Malignompatienten mit akuter proximaler Beinvenenthrombose oder Lungenembolie nach der Akuttherapie sechs Monate entweder Dalteparin 150 IE/kg oder Warfarin bis zu einer INR von 2,0 bis 3,0. In der NMH-Gruppe sind hochsignifikant weniger Thromboembolie-Rezidive aufgetreten als in der Warfarin-Gruppe.

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