Ärzte Zeitung, 25.11.2005

Kassen unterstützen Früherkennung der Krebshilfe

Beratungsprojekt wird in Regelfinanzierung aufgenommen / Gendiagnostische Untersuchungen sind bundesweit an zwölf Uni-Zentren möglich

LEIPZIG (dür). Die Krankenkassen sichern das von der Deutschen Krebshilfe aufgebaute Verbundprojekt zur Identifikation und Betreuung von Frauen mit familiär bedingtem Risiko zur Krebserkrankung durch die Regelfinanzierung.

An dem Projekt sind Ärzte an zwölf universitären Zentren in Deutschland. Sie haben ein Früherkennungs- und Behandlungskonzept für die betroffenen Frauen entwickelt. Hintergrund: Von 48 000 Frauen, die in Deutschland jährlich mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert werden, müssen fünf bis zehn Prozent davon ausgehen, die Genveränderung, die das Tumorwachstum auslöste, ererbt zu haben.

Allein in dem Projekt "Familiärer Brust- und Eierstockkrebs" sind bislang über 7000 Menschen beraten und über 3000 Gentests vorgenommen worden. Mitgewirkt hat daran auch das Institut für Humangenetik an der Medizinischen Fakultät der Uni Leipzig.

Dort wurden in den letzten sechs Jahren über 500 Patienten untersucht. Ausgewertet wurden - mit Blick auf Genveränderungen - auch bestimmte Familienkonstellationen sowie Tumorprofile. Dabei sei auch die Effektivität des Früherkennungskonzeptes überprüft worden, erläutert Institutsdirektorin Professorin Ursula G. Froster.

Nicht alle, die sich aufgrund ihrer Familiengeschichte den Gen-Experten anvertrauen müßten, tun dies auch. Froster nimmt an, nur mit einem Fünftel der in der Region Leipzig besonders gefährdeten Frauen im Gespräch zu sein. "Insofern ist das Bekenntnis der Kassen zum Verbundprojekt ein wichtiger Schritt", freut sich die Ärztin.

"Die gendiagnostische Beratung kann vielen Frauen, die mit Ängsten vor einer Brustkrebserkrankung leben, die Last nehmen. Wir können sie mit der Sicherheit in die reguläre Vorsorge entlassen, daß es sich in ihrer Familie um eine nur zufällige Häufung von Brustkrebsfällen handelt", erklärt sie.

Bei jenen, wo die Ängste begründet waren, wird eine engmaschige Früherkennung vereinbart und eine psychologische Betreuung angeboten. Bestätigt sich das erhöhte Risiko durch Familienanamnese und Gentest, umfaßt die Vorsorge unter anderen eine jährliche Mammographie sowie alle sechs Monate eine Tast- und Ultraschalluntersuchung.

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