Ärztliche Allgemeine, 12.12.2005

Krebsforschungszentrum rückt Patienten in den Mittelpunkt

Anfangs lag der Schwerpunkt am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg in der Grundlagenforschung. Jetzt liegt er mehr darauf, Forschungsergebnisse schnell in neue Diagnose- und Therapieverfahren für Krebskranke münden zu lassen.

Der Anspruch des DKFZ mit seinen mehr als 1700 Mitarbeitern, schneller als bisher Erkenntnisse in neue Diagnose- und Therapiemöglichkeiten umzusetzen, wird bundesweit modellhaft in Heidelberg am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen realisiert. Es ist Anlaufstelle für Krebspatienten und hat ein interdisziplinäres Behandlungsangebot unter Beteiligung von Klinikern und Forschern des DKFZ.

Diesem Ziel sind auch die Klinischen Kooperationseinheiten verpflichtet, die es schon seit einigen Jahren gibt, etwa in der Dermato-Onkologie, der Strahlentherapie, der molekularen Hämatologie/Onkologie und der molekularen Gastroenterologie.

Aus der Genomforschung klinisch-praktischen Nutzen zu ziehen, nämlich das Ansprechen eines Tumors auf eine Therapie und die Prognose des Patienten früh zu erfassen und die Therapie danach auszurichten, das ist einer der Forschungsschwerpunkte am DKFZ. Ein Beispiel für ein solches interdisziplinäres Projekt mit klinischen und industriellen Partnern: Mit Genexpressionsanalysen an Brustkrebsgewebe festzustellen, welche Frauen von einer Chemotherapie profitieren.

In einer Studie wurden bei Patientinnen an der Heidelberger Uni-Frauenklinik in Zusammenarbeit mit Professor Peter Lichter am DKFZ Genexpressionsmuster, die die Aktivität der Gene widerspiegeln, erfaßt. Dies erlaubt anstelle eines einzigen Parameters mehrere Tumorcharakteristika auf einmal zu erfassen. Damit ließen sich jene Frauen entdecken, bei denen mit der Chemotherapie eine komplette Remission erreicht werden kann.

Das Projekt wird von dem Unternehmen Lilly Onkologie gefördert. Von der Arbeitsgruppe um Lichter wurden oder werden bereits weitere Kandidatengene getestet, etwa bei bestimmten Leukämieformen, Kopf-Hals-Tumoren und ZNS-Tumoren.

Auch Prävention steht im Fokus des Zentrums

Einen starken Akzent setzt das DKFZ auch auf Prävention. So wurden unter Professor Helmut Bartsch DNA-Biomarker entwickelt, die Schäden an der DNA durch Messung von Addukten, also Substanzen, die sich daran anlagern, als Krebsvorstufen erfassen. Ein vielversprechender Krebsrisiko-Test auf solche Schäden wird bereits klinisch erprobt, etwa im Pankreassaft bei chronischer Pankreatitis, die mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergeht. Nicht jeder Patient bekommt jedoch Krebs.

Mit der Messung der Adduktspiegel hofft man herauszufinden, welcher Pankreatitis-Patient ein Krebsrisiko hat. Für die Krebsprävention zeichnen sich mit dem DNA-Monitoring große Fortschritte ab. So kann die Wirksamkeit therapeutischer und chemopräventiver Maßnahmen wie eine erhöhte Antioxidantienzufuhr bei Probanden anhand ihrer Adduktspiegel überprüft werden. Auch hierzu liegen bereits Studienergebnisse vor. So hatten Frauen, die sich eine Zeit lang sehr vitaminreich ernährten, deutlich weniger DNA-Veränderungen in Lymphozyten als jene mit normaler Kost.

Das DKFZ ist kein wissenschaftlicher Elfenbeinturm. Auch und gerade unter der neuen Leitung durch Professor Otmar Wiestler wird die Aufklärungsarbeit zum Thema Krebs und seiner Prävention in der Öffentlichkeit offensiv betrieben. Die "Tabakkontrolle" steht dabei ganz obenan.

Das DKFZ liefert wissenschaftlich begründete Einschätzungen zu Fragen der Ernährung oder den Stellenwert von Nahrungsergänzungssmitteln zur Krebsprävention, gibt Infos zum Brustkrebsscreening, zum familiären Risiko für Krebs oder Hilfestellung für Langzeitüberlebenden mit Krebs. Auch KID - der Krebsinformationsdienst wird für die Beantwortung von Fragen intensiv genutzt: www.krebsinformation.de (bd)

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