Ärztliche Allgemeine, 12.12.2005

Metastasiertes Nierenzell-Karzinom

Jedes Jahr bekommen in Deutschland 14 000 Menschen ein Nierenzellkarzinom. Diese Tumoren machen mehr als 80 Prozent der bösartigen Nierentumoren aus. Bei fast einem Drittel der Patienten haben sich bei Erstdiagnose bereits Metastasen gebildet.

Therapiestandard beim Nierenzell-Ca in den Stadien I bis III - also ohne Fernmetastasen - ist die radikale Tumornephrektomie, einschließlich der ipsilateralen Entfernung der Nebenniere und der Lymphadenektomie.

Bei bereits metastasiertem Nierenzell-Ca ist die kombinierte Immuntherapie mit Interleukin 2, Interferon-alpha-2a und 5-Fluorouracil (5-FU) in Deutschland die derzeit am häufigsten genutzte First-line-Therapie. Damit sind Remissionsraten von 20 und 40 Prozent möglich.

Die zweithäufigste Kombination besteht aus der subkutanen Applikation von Interleukin 2 und Interferon-alpha. Diese Therapie wird überwiegend ambulant vorgenommen. Unter den Chemotherapeutika ist außer 5-FU auch Vinblastin als Kombipartner von Bedeutung. Mit der Immuntherapie ist eine Verlängerung des Überlebens um fast zwei Jahre möglich.

Aktuelle Studien haben schließlich ergeben, daß die Kombination von Operation und Immuntherapie eine statistisch signifikante Verlängerung der Überlebenszeit um vier bis sieben Monate erzielte.

Aufgrund dieser Ergebnisse sollte bei Patienten mit initialer Metastasierung die Möglichkeit der Tumornephrektomie im Zusammenhang mit einer geplanten Immuntherapie erwogen werden, wie Dr. Olaf A. Brinkmann von der Uniklinik Münster sagt. Voraussetzung sei, daß die Patienten keine Hirnmetastasen haben, da die Metastasen eine Kontraindikation für die Zytokin-basierte Immuntherapie sind.

Unter den neuen Mitteln werden große Hoffnungen auch in Tyrosinkinase-Hemmer gesetzt. (ple)

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