Ärzte Zeitung, 28.03.2006

Therapie-Empfehlung bei Prostata-Ca vorgestellt

Symptomatische Patienten mit fortschreitender Erkrankung sollten auf jeden Fall behandelt werden

BERLIN (awa). Das Zytostatikum Docetaxel kann das Überleben von Patienten mit hormonrefraktärem metastasiertem Prostata-Karzinom verlängern. Empfehlungen zur Therapie wurden jetzt beim Krebskongreß in Berlin vorgestellt.

Nach Angaben von Professor Kurt Miller aus Berlin hat sich vor kurzem eine Expertenrunde aus Onkologen und Urologen auf folgende Empfehlung zur Therapie beim hormonrefraktären metastasierten Prostatakarzinom (HRPC) geeinigt: Behandelt werden sollten danach auf jeden Fall symptomatische Patienten mit Progression, asymptomatische Patienten ohne Progression, wenn sich der PSA-Wert in weniger als drei Monaten verdoppelt, Patienten ohne Symptome, aber mit Nachweis der Progression in bildgebenden Verfahren, sowie Patienten mit einem Anstieg des PSA und dringendem Therapiewunsch.

Ob asymptomatische Patienten ohne Nachweis von Metastasen von einer frühen Chemotherapie profitieren, sei zur Zeit noch nicht geklärt, auch wenn Subanalysen aus Studien einen frühen Therapiebeginn nahelegen.

Standard ist die Behandlung mit 75 Milligramm Docetaxel (Taxotere®) pro Quadratmeter Körperoberfläche alle drei Wochen. Diese Therapie habe in zwei randomisierten Zulassungsstudien im Vergleich zum damaligen Standard Mitoxantron das Gesamtüberleben um zwei bis drei Monate verlängert, berichtete Miller auf einer Veranstaltung des Unternehmens Sanofi-Aventis.

Ein hormonrefraktäres Prostatakarzinom liegt vor, wenn der Serum-Testosteronspiegel das Kastrations-Niveau erreicht hat und die Maßnahmen der sekundären hormonellen Manipulation ausgeschöpft sind. Ein weiteres Kriterium ist ein Anstieg des PSA-Wertes bei drei aufeinanderfolgenden Bestimmungen im Abstand von mindestens einer Woche , trotz fortgesetzter LHRH-Blockade und Entzug des Antiandrogens.

Außer zweimal täglich acht Milligramm Dexamethason, beginnend am Tag vor bis zum Tag nach der Docetaxel-Therapie, müsse außer in Einzelfällen keine weitere Begleitmedikation gegeben werden, so Miller. Kontrolliert werden solle der PSA-Wert das erste Mal erst nach drei Monaten, da nach dem ersten Therapie-Zyklus der Wert noch steigen kann. Zu kontrollieren sei zudem wöchentlich das Blutbild, einschließlich des Differential-Blutbildes und der Thrombozytenzahl.

Der nächste Therapiezyklus sollte nur dann verabreicht werden, wenn mehr als 2 x 109/l neutrophile Granulozyten und mehr als 80 x 109/l Thrombozyten im Blut sind. Gegebenfalls kann die Dosis von Docetaxel auf 60 Milligramm pro Quadratmeter alle drei Wochen verringert werden.

Miller wies darauf hin, daß die Chemotherapie abgebrochen werden sollte, wenn sich der Allgemeinzustand des Patienten eindeutig verschlechtert, sich der PSA-Wert in weniger als drei Monaten verdoppelt und bei einem langsamen Anstieg des PSA-Wertes nur bei klinischer Progredienz. Grundsätzlich kann die Behandlung mit Docetaxel ambulant erfolgen.

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