Ärzte Zeitung, 28.03.2006

Bortezomib-Behandlung kann bei Myelom das Leben verlängern

Daten aus Vergleichs-Studie über fast zwei Jahre sind jetzt ausgewertet

BERLIN (gvg). Patienten mit einem Rezidiv eines multiplen Myeloms profitieren von einer Behandlung mit dem Proteasom-Hemmstoff Bortezomib. Auch nach 22 Monaten gibt es statistisch signifikante Vorteile im Vergleich zur bisherigen Standardtherapie mit dem Kortikosteroid Dexamethason.

Röntgenaufnahme bei einem Patienten mit Multiplen Myelom: Die hellen Flecken, gut erkennbar an der Schädeldecke, sind Osteolysen. Foto: Thiemes Innere Medizin, Thieme Verlag Stuttgart 1999

Die Vorteile der Bortezomib-Therapie belegen die Daten der APEX-Studie (Assessment of Proteasome Inhibition for Extending Remissions). An der Studie nahmen 669 Patienten teil, die entweder acht Zyklen eines Therapieschemas mit Bortezomib (Velcade®) oder eine Dexamethason-Therapie erhalten hatten.

Bereits in der Erstauswertung nach einem Jahr zeigte sich, wie berichtet, ein statistisch signifikanter Vorteil beim Ein-Jahres-Überleben von 80 Prozent in der Gruppe, in der mit Bortezomib behandelt wurde. In der Vergleichsgruppe mit einer Dexamethason-Therapie lag die Rate bei 67 Prozent.

Beim Deutschen Krebskongreß in Berlin berichtete Professor Martin Kropff aus Münster jetzt, daß sich der statistisch signifikante Vorteil der Therapie mit Bortezomib auch in einer neuen Auswertung der APEX-Studie nach jetzt im Median 22 Monaten bestätige. Die Patienten, die mit dem Proteasom-Hemmer therapiert wurden, lebten im Median 30 Monate und damit sechs Monate länger als jene Patienten der Dexamethason-Gruppe.

"Dieser Vorteil ergibt sich, obwohl zwei Drittel der unter Dexamethason-Therapie progredienten Patienten in den Bortezomib-Arm der Studie wechselten", so Kropff auf der von Ortho Biotech unterstützten Veranstaltung. Für die Auswertung wurden diese Patienten als Dexamethason-Patienten gewertet. Der tatsächliche Vorteil von Bortezomib dürfte somit noch etwas größer sein.

Wie Kropff betonte, errechne sich aus der aktuellen Auswertung eine Ansprechrate von 43 Prozent. Das sind fünf Prozent mehr als bei der Ein-Jahres-Auswertung, die die Grundlage der Zulassung von Bortezomib im Frühjahr 2005 war. Darunter sind 16 Prozent mit kompletter oder nahezu kompletter histologischer Remission.

Zum Vergleich: Bei Dexamethason-Therapie hatte jeweils weniger als ein Prozent der Patienten eine komplette oder nahezu komplette Remission. Die Gesamtansprechrate lag hier bei 18 Prozent. "Es gibt bei der Bortezomib-Therapie viele Patienten, die eine Remission erst nach längerer Therapiedauer erreichen", so Kropff. Die Therapie solle nicht zu früh abgebrochen werden, wenn sich die erhoffte Remission zunächst nicht einstellt.

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