Ärzte Zeitung, 05.04.2006

Therapie vor Op verhindert Rezidive des Rektum-Ca

Gute Erfahrungen mit der Kurzzeitbestrahlung

BERLIN (gvg). Beim Rektumkarzinom kann eine präoperative Radiotherapie mit oder ohne Chemotherapie eher als die Behandlung nach der Op Lokalrezidive verhindern. Eine Kurzzeitbestrahlung trägt wirksam dazu bei, die Sphinkterfunktion zu erhalten.

Die Deutsche Rektumkarzinom-Studie hat ergeben, daß die präoperative - also neoadjuvante - Behandlung der postoperativen (adjuvanten) Therapie beim Rektumkarzinom überlegen ist. Das hat Privatdozent Claus Roedel von der Universität Erlangen auf dem Deutschen Krebskongreß in Berlin gesagt.

Werde vor der Op therapiert, komme es innerhalb von fünf Jahren bei etwa sechs Prozent der Patienten zu Lokalrezidiven. Werde erst nach der Op behandelt, seien es doppelt so viele (NEJM 351, 2004, 1731).

Das Vorziehen der Radio(chemo)therapie auch bei primär operablen Patienten hat für die Patienten den Vorteil einer geringeren Langzeittoxizität, wie Rodel betonte. Umstritten sei allerdings noch die Art der präoperativen Therapie. In Frage kommen Lang- oder Kurzzeitbestrahlungen mit oder ohne Chemotherapie.

Gute Erfahrungen seien mit einem reinen Bestrahlungsschema gemacht worden, bei der kurzzeitig die Tumorregion vor der Op mit fünfmal fünf Gray bestrahlt werde. Die Rate von Lokalrezidiven bei Patienten mit einem Tumor im TNM-Stadium II oder III sei hier mit elf Prozent geringer als bei der Alternative - einer Langzeittherapie mit höherer Dosierung plus Chemotherapie.

In diesem Stadium können andere Organe vom Tumor infiltriert sein und sich Metastasen in mindestens vier regionären Lymphknoten befinden. Auch seien in einer kürzlich vorgestellten Studie mit der Kurzzeittherapie etwas häufiger sphinktererhaltende Operationen möglich gewesen, so Roedel auf der von Novartis unterstützten Veranstaltung.

Eine Langzeitbestrahlung plus Chemotherapie sieht Roedel dann indiziert, wenn es darum geht, den Tumor zunächst zu verkleinern, um eine Op zu ermöglichen. Auch wenn bei Tumoren im unteren Rektumdrittel eine sphinktererhaltende Op das angestrebte Ziel sei, würde er diese Strategie wählen.

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