Ärzte Zeitung, 12.09.2006

Lange Nachsorge ist bei Schilddrüsen-Ca obligat

Kontrollen sollen zehn Jahre alle sechs Monate, dann jährlich erfolgen / Untersuchungspaket sichert gute Prognose

MÜNCHEN (wst). Eine postoperative Radiojod-Therapie gewährleistet eine gute Prognose bei papillären und follikulären Schilddrüsenkarzinomen. Anschließend ist eine lebenslange Nachsorge mit Kontrolluntersuchungen notwendig: zunächst im Abstand von sechs Monaten, nach zehn rezidivfreien Jahren in jährlichen Intervallen.

Ein Schilddrüsen-Krebs leuchtet in dieser Kombi-Untersuchung (Spiral-CT plus SPECT) rot-gelb. Foto: Universitätsklinikum Erlangen

Bei papillären Mikrokarzinomen, die häufig zufällig bei Struma-Operationen entdeckt und entfernt werden, bedarf es keiner weiteren Therapie, wenn der Krebs einen Durchmesser von weniger als 1 cm hat. Darauf hat der niedergelassene Endokrinologe Professor Friedhelm Raue aus Heidelberg auf dem von Merck Pharma unterstützten 4. Münchener Schilddrüsen-Symposium hingewiesen.

Bei allen anderen Stadien des papillären Schilddrüsenkarzinoms sowie immer bei follikulären Schilddrüsenkarzinomen sollte im Anschluß an die totale Thyreoidektomie grundsätzlich eine Radiojod-Therapie erfolgen. Ziel ist die Entfernung von eventuell verbliebenem Schilddrüsen- und Tumorgewebe. Außerdem sollen auf diese Weise eventuell noch vorhandene jodspeichernde Metastasen aufgespürt und ausgeschaltet werden.

Ein Arzt untersucht per Sonographie den Hals eines jungen Mannes. Nach Entfernung eines Schilddrüsenkarzinoms gehört Ultraschall zur Nachsorge. Foto: Klaro

Drei Monate nach der ersten Radiojod-Therapie ist zur Beurteilung des Erfolgs ein Radiojod-Ganzkörperszintigramm erforderlich. Bei positivem Befund werden eine oder auch mehrere Radiojod-Therapien im Abstand von drei bis sechs Monaten gemacht; größere Metastasen werden operativ entfernt.

Nach Operation und erfolgreicher Radiojod-Therapie sind zunächst in halbjährlichen Abständen, nach zehn Jahren ohne pathologischen Befund in jährlichen Abständen Kontrolluntersuchungen angezeigt. Dazu gehören: klinische Untersuchung mit Palpation und Sonographie der Zervikalregion, Bestimmung von TSH, freiem T3, freiem T4, Thyreoglobulin (TG) und TG-Antikörper-Titer.

Nachdem die Schilddrüse und Schilddrüsenkarzinom-Metastasen entfernt worden sind, sollte TG nicht mehr nachweisbar sein. Daher ist jeder Anstieg auf über 1 ng/ml rezidivverdächtig. Dann - und auch bei auffälliger Sonographie - sind weitergehende Untersuchungen wie besonders ein erneutes Jod-131-Ganzkörperszintigramm erforderlich.

    Rezidivverdacht bei Anstieg von Thyreoglobulin.
   

Ein falsch-negativer TG-Befund kann durch endogene Antikörper gegen TG ausgeschlossen werden. Deshalb sollte bei den regelmäßigen Kontrollen immer auch nach TG-Antikörpern gefahndet werden. Ein Titer-Anstieg kann ebenfalls Anzeichen für ein Rezidiv sein, betonte Raue.

Besteht der Verdacht auf nicht jodspeichernde Metastasen, etwa bei auffälliger Sonographie, aber negativem Szintigramm, sind zudem andere bildgebende Verfahren wie eine MRT oder eine 18-Fluorodeoxyglucose-PET (Positronen-Emissions-Tomographie) erforderlich.

Nach totaler Thyreoidektomie ist eine lebenslange Substitution mit L-Thyroxin (etwa Euthyrox®) notwendig. In den ersten Jahren sollte die Dosis so gewählt werden, daß TSH supprimiert ist, sagte Raue. Ziel sind TSH-Spiegel unter 0,01 mU/l. Denn TSH kann das Wachstum von Schilddrüsen-Karzinomen und Rezidiven fördern. Nach fünf bis zehn rezidivfreien Jahren ist es möglich, die L-Thyroxin-Dosis zu reduzieren. Angestrebt wird ein TSH-Spiegel, der im Normbereich liegt.

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