Ärzte Zeitung, 16.11.2006

Profitieren Krebspatienten von hochdosiertem Vitamin C?

Experten-Gremium plädiert für Vitamin-C-Infusionstherapie als Komplementär-Behandlung / Prospektive Studie wird gestartet

FRANKFURT AM MAIN (ner). Die hochdosierte Vitamin-C-Infusionstherapie ist nach Auffassung eines Expertengremiums eine sinnvolle Komplementär-Behandlung bei der Therapie von Patienten mit Krebs. Außer einer Stärkung des Immunsystems gebe es Hinweise auf direkte tumortoxische Wirkungen.

Ascorbinsäure gehöre zu den effektivsten natürlichen Radikalfängern, so das Gremium aus Ärzten, Pharmakologen, Naturheilkundlern, Psychologen und Immunologen in einem Konsensuspapier. Dies ist nach Angaben von Professor Ulrich Borchard von der Universität Düsseldorf deshalb von Bedeutung, weil die Kanzerogenese, aber auch die Chemo- und Strahlentherapie bei Krebspatienten mit erheblichem oxidativem Streß verbunden ist.

    Vitamin C in hoher Konzentration tötet Krebszellen.
   

Aus epidemiologischen Studien wisse man, daß bei Krebspatienten Vitamin-C-Spiegel oft zu niedrig seien, sagte der Pharmakologe bei einer Veranstaltung des Unternehmens Pascoe in Frankfurt am Main. Einer von 37 Patienten befinde sich im Zustand des Skorbut. Niedrige Vitamin-C-Spiegel seien mit einer verkürzten Lebenszeit assoziiert. Zudem sei nachgewiesen worden, daß toxische Wirkungen einer Chemotherapie reduziert würden, so Borchard.

In In-vitro-Studien sind verschiedene Karzinomzellen nach einstündiger Inkubation mit Vitamin C abgetötet worden. Ursache dafür ist die extrazelluläre Bildung von Wasserstoffperoxid (H2O2). Allerdings seien für diesen Effekt Konzentrationen von 1 bis 20 mM erforderlich, je nach Tumorzellart, betonte Borchard. Diese Konzentration könne in vivo nicht mit oraler Vitamin-C-Supplementation erreicht werden, da hohe Dosen rasch über Darm und Nieren ausgeschieden werden.

Erforderlich sei eine hochdosierte Infusionstherapie etwa mit der Injektionslösung Pascorbin® (bisher als Vitamin-C-Injektopas® auf dem Markt). Normale Körperzellen würden durch die hohe Konzentration nicht beeinträchtigt.

Die Substitution von Vitamin-C-Mangel bei Krebs wird bereits seit langem praktiziert. Bei Brustkrebs-Patientinnen gibt es Hinweise auf eine verlängerte Überlebenszeit unter hochdosierter Vitamin-C-Therapie. Das soll nun mit prospektiven Studien geprüft werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »