Ärzte Zeitung, 05.02.2007

Lebermetastasen werden regelrecht verkocht

Bei Metastasen neuroendokriner Tumoren kann die Radiofrequenzablation die Operation ergänzen

MAINZ (hbr). Neuroendokrine Tumoren und ihre Metastasen wachsen meist nur langsam. Bei Lebermetastasen ist die Op die erste Therapie-Option. Das ist jedoch bei vielen Patienten nicht oder nur teilweise möglich. Eine weitere Option ist die Radiofrequenz-Ablation.

Mit der Op lassen sich die durch Hormonausschüttung verursachten Symptome, etwa Flush und Durchfälle, reduzieren und Lebensjahre gewinnen. Ideal ist, wenn nur ein Leberlappen betroffen ist, der entnommen werden kann. Sind sowohl der rechte als auch der linke Leberlappen befallen, kann etwa ergänzend am zweiten Lappen die Radiofrequenz-Ablation (RFA) weiterhelfen. Das berichtete Privatdozent Christoph Auenhammer von der Uni München bei einer Veranstaltung des Netzwerks Neuroendokrine Tumoren in Mainz.

Mit der RFA lassen sich einzelne Tumorherde gezielt zerstören: Unter sonografischer oder CT-Kontrolle wird eine Nadel im Tumor platziert und das kranke Gewebe bei über 100 °C verkocht. Das lindert die Symptome bei 70 bis 80 Prozent der Patienten. Wenn an anderen Stellen neue Leber-Metastasen auftauchen, kann der Vorgang dort wiederholt werden. RFA ist sinnvoll, wenn die Herde nicht über fünf Zentimeter groß sind. Mehr als fünf Metastasen sollten nicht vorhanden sein.

Bei mehr Metastasen, bei nicht operablen Tumorherden, anders nicht bremsbarem Wachstum der Herde oder bei deutlichen Symptomen wie Flush und Durchfälle aufgrund der Hormonausschüttung ist eine transarterielle Chemo-Embolisation (TACE) möglich. Dabei wird ein Katheter von der Leiste bis zur Leberarterie geschoben und das Gefäß durch die Injektion kleiner Kunststoff-Partikel verstopft. Weil der Tumor fast komplett über die Leberarterie ernährt wird, stirbt er dann an Versorgungsmangel. Für das gesunde Lebergewebe dagegen ist zu drei Viertel die Pfortader zuständig.

Nach einer TACE werden bei 60 bis 100 Prozent der Patienten die Symptome gelindert. Dabei sei die Ansprechrate bei spätem Einsatz der Methode so gut wie bei frühem, so Auenhammer bei der von Novartis unterstützten Veranstaltung. Früh bedeutet dabei direkt nach Entdecken der Metastasen.

Schließlich werden bei der selektiven intraarteriellen Radiotherapie über einen Katheter winzige Partikel mit dem Betastrahler Yttrium-90 in die Leberarterie gespritzt. Sie gelangen in die kleinen Tumorgefäße, bestrahlen nur lokales Gewebe und verstopfen die Gefäße. In einer Studie seien damit bei 80 Prozent von bisher 84 Patienten die Symptome gelindert worden. Das Tumorwachstum wurde bei zwei Drittel der Patienten gebremst. Die Methode sei viel versprechend, so Auenhammer. Wie lange der Effekt anhält, sei noch zu prüfen.

STICHWORT

Neuroendokrine Tumoren

Die Inzidenz neuroendokriner Tumoren beträgt bis zu 5 Neuerkrankungen pro 100 000 Einwohner pro Jahr. Die Tumoren wachsen meist sehr langsam. Sie beruhen auf der Entartung vielfach hormonproduzierender (endokriner) Zellen. Wegweisend in der Diagnostik sind daher die hormonassoziierten Symptome. Beispiele sind das Insulinom (Symptome: Hypoglykämie und Neuroglukopenie) und das Gastrinom (Symptome: therapierefraktäre Ulzera und Diarrhoe). Serotonin-sezernierende Tumoren verursachen das Karzinoid-Syndrom mit Flushanfällen und/oder Diarrhoen. Primäres Therapieziel ist die chirurgische Resektion. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »