Ärzte Zeitung, 23.05.2007

Bei jedem Check von Krebskranken den Ernährungszustand klären!

Bei Mangelernährung kommt es während der Krebstherapie oft zu Komplikationen

DÜSSELDORF (grue). Mangelernährung ist ein Risikofaktor für Komplikationen bei Radio- oder Chemotherapien. Bei Krebs-Patienten sollte daher immer der Ernährungszustand beurteilt werden. Gegebenenfalls muss schon vor Behandlungsbeginn eine Ernährungstherapie mit zusätzlicher kalorienreicher Trinknahrung erfolgen.

Krebs-Patienten brauchen eine ausführliche Ernährungsberatung. Die Patienten sollten möglichst vollwertig und in der Regel kalorienreich essen. Foto: Klaro

Patienten mit schlechtem Ernährungszustand bekommen während einer Radio- oder Chemotherapie häufig Komplikationen wie Wundheilungsstörungen, Infektionen und Sepsis. Wird der Therapiezyklus deswegen unterbrochen, steht der Behandlungserfolg infrage. Es geht also darum, eine Mangelernährung früh zu erkennen und bereits vor den geplanten Maßnahmen etwas dagegen zu unternehmen.

"Der Gewichtsverlust ist sogar oft der erste Hinweis auf eine Krebserkrankung", so Dr. Gudrun Zürcher von der Uniklinik Freiburg bei der 2. Offenen Krebs-Konferenz in Düsseldorf. Bereits in den sechs Monaten vor Diagnose der Krebserkrankung verlieren, abhängig von der Art des Tumors, zwischen 31 und 87 Prozent der Patienten deutlich an Gewicht, bei 16 Prozent sind es sogar mehr als zehn Prozent vom Ausgangsgewicht.

Gewichtsverlust betrifft zunächst das Körperfett

Der Gewichtsverlust betrifft zunächst das Körperfett und die Skelettmuskulatur und kann bei tumorbedingten Wassereinlagerungen zunächst übersehen werden. Krebs-Patienten nehmen nach Angaben der Ernährungsmedizinerin etwa 20 Prozent weniger Kalorien auf als Gesunde. Grund dafür sind Stoffwechselstörungen und entzündliche Reaktionen. Lokale Störfaktoren bei Kopf-Hals-Tumoren und die veränderte Resorption bei fortgeschrittenen gastrointestinalen Tumoren behindern ebenfalls die Nahrungsaufnahme. Nehmen solche Patienten täglich nur 700 kcal weniger als üblich zu sich, verlieren sie innerhalb von zehn Tagen ein Kilogramm Körpergewicht.

"Für die Praxis heißt das, möglichst bei jeder Untersuchung auch den Ernährungszustand des Patienten zu beurteilen", sagte Zürcher. Wird das Gewicht bereits beim ersten Termin notiert und der Patient gefragt, ob er abgenommen hat, fällt später die Einordnung therapiebedingter Gewichtsverluste leichter. Eine qualifizierte ambulante Ernährungsberatung ist bei Gewichtsproblemen willkommen und wird bei Tumor-Patienten nach Erfahrung der Freiburger Ärztin auch problemlos von den Kassen bezahlt.

Vor Op kann zusätzliche Trinknahrung erforderlich sein

Spätestens vor einer geplanten Tumor-Operation sollte das Thema Ernährung detailliert besprochen werden. Ist die Ernährung unzureichend, sollte bereits präoperativ die Energie- und Nährstoffbilanz mit zusätzlicher Trinknahrung verbessert werden.

Bei BMI unter 18 kg / m2 ist künstliche Ernährung indiziert

Ein hohes Risiko für eine postoperative Mangelernährung haben Patienten unter anderem bei einem BMI  unter 18 kg / m2 oder einem Serum-Albumin unter 30 g / l, sofern es keine Hinweise auf Leber- oder Niereninsuffizienz gibt. "Diese Patienten müssen vor großen chirurgischen Eingriffen für 10 bis 14 Tage künstlich ernährt werden, selbst wenn deshalb die Operation verschoben werden muss", sagte Zürcher. Ansonsten gilt das Prinzip einer "gesteuerten Wunschkost", das heißt, die Patienten sollten möglichst vollwertig und in der Regel kalorienreich essen. Das gilt auch vor und während einer Radio- und Chemotherapie.

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