Ärzte Zeitung, 28.08.2007

Neues Standardschema bei Multiplem Myelom?

Lenadolid plus niedrigdosiertes Dexamethason

MÜNCHEN (sir). Der Immunmodulator Lenalidomid ist bei Multiplem Myelom offenbar in Kombination mit Dexamethason noch effektiver, wenn das Glukokortikoid niedriger als bisher dosiert wird.

Lenalidomid (Revlimid®) ist in Kombination mit Dexamethason seit Juni 2007 in Europa zur Therapie von Patienten mit therapierefraktärem multiplem Myelom zugelassen. Studien zur Ersttherapie bei Myelom-Patienten sind beim US-Krebskongress ASCO vorgestellt worden. In einer Studie erhielten die jeweils 206 neu diagnostizierten, nicht behandelten Patienten an den Tagen 1 bis 21 eines 28-tägigen Zyklus je 25 mg Lenalidomid plus Dexamethason. Dieser Zyklus wurde ein Jahr lang fortlaufend wiederholt.

"Das Design dieser Studie zur Erstlinientherapie wurde aber wesentlich von den Patienten mit bestimmt", betonte Professor Hartmut Goldschmidt aus Heidelberg. "Die Patienten hatten den Wunsch geäußert, die Kortisondosis, wenn möglich, zu verringern", so der Onkologe auf einer Veranstaltung von Celgene. So erhielten die Teilnehmer des einen Studienarms je Behandlungszyklus an dreimal vier Tagen je 40 mg Dexamethason pro Tag, die anderen nur an vier Tagen je 40 mg des Kortikoids. Die Dexamethason-Dosis war also in der ersten Gruppe dreimal so hoch wie in der zweiten.

"Das Überraschende war, dass die Patienten mit der niedrigeren Dexamethason-Dosis besser abschnitten", sagte der Onkologe. Das Überleben lag nach einem Jahr bei 96 Prozent in der Gruppe mit niedriger Dosis des Glukokortikoids und bei 87 Prozent in der Gruppe mit der Standarddosis. "Dies kann das Nebenwirkungsprofil der Therapie günstig beeinflussen", hoffte Goldschmidt, "das sollte vielleicht neuer Standard werden."

STICHWORT

Multiples Myelom

In Deutschland leben etwa 12 000 Menschen mit einem multiplen Myelom (Plasmozytom). Jährlich erkranken 3500 Menschen daran. Beim Plasmozytom sind die antikörperproduzierenden B-Lymphozyten oder Plasmazellen entartet. Sie vermehren sich unkontrolliert im Knochenmark. Sie schädigen die Knochengerüststruktur und die Immunabwehr. Die Immunglobuline, die sie ausschütten, sind atypisch oder nur Fragmente. Sie lassen sich mit der Immunelektrophorese nachweisen. (sir)

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