Ärzte Zeitung, 19.11.2007

Immunmodulator kann die Blase erhalten

Studien zu Harnblasen-Ca

PARIS (grue). Standardtherapie für Patienten mit oberflächlichem Harnblasen-Karzinom ist die trans-urethrale Resektion (TUR). Bei erhöhtem Progressionsrisiko folgt danach eine adjuvante intravesikale Therapie - auch mit dem Ziel, die Harnblase zu erhalten.

Oberflächlich wachsende Harnblasenkarzinome haben je nach Differenzierungsgrad ein Progressionsrisiko bis zu 55 Prozent innerhalb von fünf Jahren. "Das rechtfertigt eine frühe radikale Zystektomie", sagte Professor Eduardo Solsona aus Valencia in Spanien auf dem Kongress der internationalen Urologen-Gesellschaft SIU in Paris. Nach Harnblasenentfernung leben im Mittel 81 Prozent der Patienten noch für mindestens fünf Jahre. Nach einer Modellrechung sei allerdings eine adjuvante organerhaltende Therapie ähnlich erfolgreich, sagte der Urologe.

"Das setzt aber eine sorgfältige Diagnostik, Therapie und Nachsorge voraus", sagte Solsona. Für Patienten mit schlecht differenzierten Tumoren (pT1G3-Tumoren) und mit Carcinomata in situ komme als Alternative zur Operation eine intravesikale Instillationstherapie mit dem Immunmodulator Bacillus Calmette-Guérin (BCG) in Betracht. "Zunächst ist dafür eine qualitativ hochwertige TUR nötig, um das Tumorgewebe histopathologisch genau zu klassifizieren", sagte Solsona. In Studien wurden bis zu 29 Prozent der resezierten Tumoren zunächst falsch klassifiziert (Understaging).

Deshalb sollte der Eingriff nach einigen Wochen wiederholt werden. Allein dadurch lasse sich das Progressionsrisiko um sieben Prozent senken. Eine Risikoreduktion um weitere 37 Prozent lasse sich durch die anschließende Behandlung mit BCG erzielen, wenn zunächst eine Induktions- und dann eine Langzeittherapie eingeleitet werden. "Tritt dabei trotzdem innerhalb von drei bis sechs Monaten ein Rezidiv auf, sollte die Harnblase aber entfernt werden", sagte Solsona. Denn solche Rezidivtumoren sind zu über 60 Prozent progredient. In diesen Fällen sei Eile geboten, denn die radikale Zystektomie sollte erfolgen, bevor der Rezidivtumor die Blasenmuskulatur infiltriert.

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