Ärzte Zeitung online, 31.03.2008

Drei Fragen, drei Antworten

"Behandeln Sie weiterhin gemäß den Leitlinien!"

Bei Krebspatienten mit durch Chemotherapie bedingter Anämie sind Erythropoese-stimulierende Agenzien (ESA), wenn sie indikationskonform angewendet werden, eine sichere Therapie, so Professor Mohammad R. Nowrousian vom Westdeutschen Krebszentrum an der Uniklinik Essen.

Ärzte Zeitung: Die Behandlung von Krebspatienten mit Erythropoese-stimulierenden Agenzien steht derzeit wegen vermeintlicher Risiken in der Diskussion. Wie bewerten Sie die Datenlage?

Nowrousian: Die Studien, die ungünstige Effekte der ESA-Therapie auf die Überlebensrate der Patienten zeigen, weisen zum Teil erhebliche methodische Mängel auf und sind in Behandlungssituationen durchgeführt worden, die nicht den zugelassenen Indikationen entsprechen. Die Ausgangs- und Ziel-Hämoglobinwerte liegen oft weit oberhalb des in den Leitlinien empfohlenen und als akzeptabel angesehenen Bereichs. Teilweise wurden auch nichtanämische Patienten behandelt. Betrachtet man allein diejenigen Studien, in denen ESA in einer mit heutigen Indikationen konformen Weise angewendet wurden, so finden sich keine Hinweise auf nachteilige Effekte auf das Überleben, aber eine klare Evidenz für die Reduktion des Transfusionsbedarfs. Nach meiner Ansicht bestätigt die Datenlage somit in erster Linie den Stellenwert und die Richtigkeit der 2006 formulierten und inzwischen aktualisierten EORTC-Leitlinien.

Ärzte Zeitung: Was ist mit dem Verdacht, dass ESA die Tumorprogression beschleunigen könnten?

Nowrousian: Die Daten zur Expression von EPO-Rezeptoren durch Tumorzellen sind meines Erachtens noch nicht schlüssig. Auch die vorliegenden Daten zum Einfluss von ESA auf das progressionsfreie Überleben sind noch widersprüchlich. Zur genaueren Klärung bedarf es hier sicher noch weiterer präklinischer und klinischer Studien.

 Ärzte Zeitung: Welche Empfehlungen können Sie für die aktuelle klinische Praxis der ESA-Therapie bei Krebspatienten geben?

Nowrousian: Behandeln Sie weiterhin strikt gemäß den bestehenden Indikationen und Leitlinien-Empfehlungen! Bei Patienten mit Chemotherapie und Anämie-Symptomen sollte die ESA-Behandlung bei Hb-Werten unter 11 g/dl eingeleitet werden. Bei Hb-Werten unter 9 g/dl kommt zudem die Bluttransfusion in Betracht. Der angestrebte Ziel-Hb-Wert sollte bei etwa 12 g/dl liegen. Eine ESA-Therapie zur Anämie-Prophylaxe bei Patienten mit normalen Hb-Werten kann nicht empfohlen werden. (ob)

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