Ärzte Zeitung, 09.07.2008

Mooskulturen liefern jetzt Antikörper

DNA-Sequenz wird ohne Virus als Genfähre in Mooszellen geschleust / Antikörper werden in Krebstherapie genutzt

BENEDIKTBEUERN (wst/hub). Als biotechnische Produktionsstätte therapeutischer Proteine bekommen Bakterien, Hamster- und Hefezellen jetzt grüne Konkurrenz: Moose. Recht einfach zu kultivieren, bietet dieser neue Typ von Produktionsorganismus zudem ein besonders günstiges Sicherheitsprofil.

Moose haben sich in der Evolution über sehr große Zeiträume als phylogenetisch äußerst stabil gezeigt, hat Dr. Gilbert Gorr von Greenovation Biotech berichtet. Auch transgene Moos-Zelllinien sind im Labor über Jahre resistent gegen Spontanmutationen, hieß es auf einem biopharmazeutischen Kooperationsforum in Benediktbeuern.

So sieht das Moos in der Kulturschale aus (links) und in der Kulturröhre mit 100 Litern Volumen.

Fotos: greenovation Biotech

Die in Gorrs Unternehmen genutzten Zellen des Mooses Physcomitrella patens werden als Suspensionskultur in gläsernen röhrenförmigen Bioreaktoren gehalten. Alles was die Mooszellen brauchen, sind Wasser, Licht, Luft und einige Salze. Nur einmal pro Woche verdoppeln sich die Mooszellen: "Sie stecken die Energie ins Produkt und nicht ins Wachstum", so Gorr. Das Produkt wird von den Mooszellen in die Kulturlösung ausgeschüttet und über Perfusion kontinuierlich daraus isoliert.

Die Gensequenz für das gewünschte Produkt wird mithilfe von Polyethylenglykol in Moosprotoplasten geschleust. Protoplasten sind "nackte" Zellen ohne Zellwand. Im gesamten Produktionsprozess werden weder Viren, Bakterien, Teile davon oder tierische Produkte benötigt. Das Risiko einer Verunreinigung ist also minimiert. Für das Moos als Produzenten für therapeutische Eiweißmoleküle spricht zudem, dass bislang keine humanpathogenen Viren aus Pflanzen bekannt sind. Und Moose gelten selbst für botanische Verhältnisse als äußerst virusarm. Jedenfalls ist bislang noch kein moosspezifisches Virus entdeckt worden.

Produziert werden so Antikörper für die Krebstherapie. In den Mooszellen werden die Antikörper mit speziellen Zuckerstrukturen ausgestattet. Das erhöht die Effektivität und reduziert die notwendige Dosis. So wurde etwa ein gegen das tumorassoziierte Antigen Lewis Y gerichteter Antikörper optimiert.

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