Ärzte Zeitung online, 24.09.2008

Tiefgekühlt in der Zeitkapsel - Kryobank ermöglicht zeitversetzten Kinderwunsch

JENA (eb). Eine moderne Kryobank an der Universitätsklinik Jena ermöglicht jetzt die langfristige Lagerung von Zellen und Geweben. Die neue Kryobank soll vor allem Paaren mit Kinderwunsch und Krebspatienten zur Verfügung stehen. Wie in einer Zeitkapsel werden Spermien und Eizellen aufbewahrt und können später zur Befruchtung genutzt werden.

Foto: dpa

Die in der Kryobank tiefgefrorenen Zellen und Gewebe werden in speziellen Anlagen über Jahre bis Jahrzehnte gelagert. Die Aufbewahrung bei Temperaturen von minus 140 Grad sichert die zukünftige Lebensfähigkeit der konservierten Zellen. "Auf diese Weise können beispielsweise Krebspatienten vor Beginn einer Therapie für die Fortpflanzung wichtige Gewebe minimal invasiv entnehmen und für einen späteren Einsatz aufbewahren lassen", so Professor Ingo Runnebaum, Direktor der Jenaer Universitätsfrauenklinik, in einer Mitteilung der Uni.

Ohne diese "Zeitreise" der Zellen droht vielen an Krebs Erkrankten die Unfruchtbarkeit, denn Chemotherapie und Bestrahlung greifen nicht nur die Krebszellen, sondern auch die empfindlichen Fortpflanzungsorgane an.

"Da wir heute vielen Krebspatienten wirksam im Kampf gegen die Krankheit helfen können, wird die Bewahrung der Fruchtbarkeit für die Zeit nach der überstandener Erkrankung immer wichtiger", so Runnebaum zu den Hintergründen für die Einrichtung einer Kryobank.

Spermien können bereits seit Jahren eingefroren werden

Männer können bereits seit Jahren die Chance nutzen, Spermien vorsorglich einzufrieren. So kann beispielsweise vor Beginn einer Krebs-Behandlung kann durch Samenspenden ein Depot angelegt und gelagert werden. Später kann dadurch mithilfe der künstlichen Befruchtung auch dann der Kinderwunsch erfüllt werden, wenn keine eigenen Spermien mehr vorhanden sind.

Seit kurzem können auch krebskranke junge Frauen vor der Therapie Eizellen einfrieren lassen

Seit kurzem steht eine solche Möglichkeit auch jungen Frauen zur Verfügung. "Je nach Alter, persönlicher Lebenssituation und der Art der Krebserkrankung ist das Einfrieren von Eizellen oder von Eierstockgewebe möglich", erklärt Privatdozent Wolfgang Starker, Leiter der Kinderwunsch-Sprechstunde am UKJ. "Nach Abschluss der Krebsbehandlung kann das tiefgefrorene Gewebe transplantiert werden. So können wir frühzeitige Wechseljahre aufhalten und helfen, einen Kinderwunsch doch noch zu verwirklichen", so Starker.

Um diese Behandlung onkologischen Patienten anbieten zu können, ist eine rechtzeitige Information besonders wichtig, wie Starker betont: "Alle onkologisch tätigen Ärzte sollten heute bei der Beratung von Männern und Frauen, die im gebärfähigen Alter an Krebs erkranken, daran denken, auch die Fruchtbarkeit zu erhalten."

Derzeit lagern in der Kryobank 3000 Behältnisse - bis zu 30 000 sind möglich

Aktuell werden in der Kryobank der Frauenklinik 3000 Kryoproben für die weitere therapeutische Verwendung gelagert. Mit einer Kapazität von 30 000 Proben ist die neue Kryobank langfristig ausgelegt und kann perspektivisch über Jahre den Bedarf zur Kryokonservierung und Langzeitlagerung abdecken.

"Die Lagerung von Zellen und Geweben zur therapeutischen Verwendung erfordert eine besonders sorgfältige Überwachung und kontinuierliche Dokumentation der Lagerbedingungen, die jetzt mit Inbetriebnahme der Kryobank realisiert werden können", sagt Dr. Ines Hoppe, Leiterin des IVF-Labors und der Kryobank. "Mit der Einrichtung einer modernen Kryobank können wir nicht nur alle gesetzlichen Anforderungen des Gewebe- und Transplantationsgesetzes erfüllen, sondern auch unseren Patienten eine leistungsfähige Anlage zur Verfügung stellen".

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