Ärzte Zeitung online, 06.10.2008

Medizin-Nobelpreis für deutschen Krebsforscher Harald zur Hausen

STOCKHOLM (dpa): Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an den deutschen Krebsforscher Professor Harald zur Hausen sowie an die französischen Aidsforscher Professor Françoise Barré-Sinoussi und Professor Luc Montagnier. Der Arzt zur Hausen erhält die Ehrung für die Entdeckung der Viren, die Gebärmutterhalskrebs auslösen.

Medizin-Nobelpreis für deutschen Krebsforscher Harald zur Hausen

Medizin-Nobelpreisträger 2008: Professor em. Harald zur Hausen, zuletzt DKFZ Heidelberg.

Foto: Josef Wiegand

Die Entdeckung der Krebs auslösenden Humanen Papillomaviren (HPV) 16 und 18 führte zur Entwicklung von Impfstoffen.

Die beiden französischen Forscher erhalten die Ehrung für die Entdeckung des Aidsvirus. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist in diesem Jahr mit umgerechnet einer Million Euro (10 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

Im vergangenen Jahr wurden die US-Genetiker Professor Mario Capecchi und Professor Oliver Smithies sowie der Brite Sir Martin Evans ausgezeichnet. Sie hatten eine Technik entwickelt, um Versuchsmäuse mit menschlichen Krankheiten zu schaffen. Die Tiere dienen der Suche nach Therapien gegen Leiden wie Bluthochdruck oder Diabetes.

Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Nobelpreises benannt. Die feierliche Überreichung findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Die Medizin-Nobelpreisträger seit 1998

Der Medizin-Nobelpreis wird seit 1901 verliehen. Die erste Auszeichnung ging damals an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring für die Entdeckung der Serumtherapie gegen Diphtherie. Die Preisträger der vergangenen zehn Jahre waren:

2007: Mario R. Capecchi, Oliver Smithies (beide USA) und Sir Martin J. Evans (Großbritannien) für eine genetische Technik, um Versuchsmäuse mit menschlichen Krankheiten zu schaffen.

2006: Die US-Forscher Andrew Z. Fire und Craig C. Mello für eine Technik, mit der sich Gene gezielt stumm schalten lassen.

2005: Barry J. Marshall und J. Robin Warren (beide Australien) für die Entdeckung des Magenkeims Helicobacter pylori und dessen Rolle bei der Entstehung von Magengeschwüren.

2004: Richard Axel und Linda Buck (beide USA) für die detailgenaue Enträtselung des Geruchssinns.

2003: Paul C. Lauterbur (USA) und Sir Peter Mansfield (Großbritannien) für ihre wesentlichen Beiträge zur Anwendung der Kernspintomographie in der Medizin als neuartiges und schonendes Diagnoseverfahren.

2002: Sydney Brenner (Großbritannien), H. Robert Horvitz (USA) und John E. Sulston (Großbritannien) für die Erforschung des programmierten Zelltods (Apoptose) als Grundlage zum Verständnis von Krebs, Aids und anderen Krankheiten.

2001: Leland H. Hartwell (USA), Sir Paul M. Nurse (Großbritannien) und R. Timothy Hunt (Großbritannien) für Erkenntnisse über die Zellteilung, die neue Wege in der Krebstherapie ermöglichen.

2000: Arvid Carlsson (Schweden), Paul Greengard (USA) und Eric Kandel (USA) für ihre Entdeckungen zur Signalübertragung im Nervensystem.

1999: Günter Blobel (USA) für seine Arbeiten über den Transport von Proteinen in der Zelle.

1998: Robert F. Furchgott (USA), Louis J. Ignarro (USA) und Ferid Murad (USA) für ihre Arbeiten über die Rolle von Stickoxid als Signalstoff im Herz-Kreislauf-System.

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