Ärzte Zeitung online, 03.12.2008

Erhöhtes Krebs-Risiko bei Pflegepersonal in Schichtarbeit

KÖLN (dpa). Schichtarbeiter wie Krankenschwestern sowie Flugpersonal haben einer Analyse zufolge ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken. Beim Flugpersonal sei ein um 70 Prozent höheres Brustkrebsrisiko ermittelt worden, für Prostatakrebs stieg das Risiko um 40 Prozent. Ähnliche Daten wurden etwa für Krankenschwestern mit Schichtarbeit ermittelt.

Erhöhtes Krebs-Risiko bei Pflegepersonal in Schichtarbeit.

Foto: Monkey Business©www.fotolia.de

Ausgewertet wurden insgesamt 30 Studien aus aller Welt zum Thema Schichtarbeit und Krebs mit jeweils größeren untersuchten Gruppen. Das teilte Institut für Arbeitsmedizin der Universität Köln am Mittwoch mit.

Für Schichtpersonal - den Schwerpunkt bildeten hierbei Krankenschwestern - seien ähnliche Zahlen ermittelt worden, sagte Institutsleiter Privatdozent Thomas Erren auf Anfrage. Dabei ging es in den Untersuchungen vor allem um Nachtarbeit, aber auch um den Wechsel von Früh-, Spät- und Nachtschichten.

Die Resultate der Meta-Analyse nannte der Wissenschaftler "verblüffend". Die Internationale Agentur für Krebsforschung - eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation WHO - habe bereits Ende 2007 bestimmte Formen der Schichtarbeit als krebserregend eingestuft, sagte der Kölner Wissenschaftler. Zugleich habe die Agentur aber eingeschränkt, dass diese Einschätzung noch "suggestiv" sei.

Die Auswertung der 30 Studien in Köln habe nun quasi als Querschnitts-Ergebnis klar zutage gefördert, dass das Krebsrisiko bei dem untersuchten Flug- und Schichtpersonal in jedem Fall statistisch signifikant erhöht ist.

Zugleich habe sich aber gezeigt, dass künftige Untersuchungen zu dem Thema besser miteinander vergleichbar sein müssten, um zu einer verlässlichen Aussage zu kommen. Dazu seien international einheitliche Standards nötig und auch Untersuchungen von Schichtarbeitern aus anderen Berufsgruppen.

Lichtverhältnisse und Melatonin spielen nach bisherigen Erkenntnissen eine große, aber nicht allein entscheidende Rolle

Besonders die Lichtverhältnisse und das Hormon Melatonin spielten nach bisherigen Erkenntnissen "eine große, aber nicht die allein entscheidende Rolle", erklärte Erren. Das Licht - wichtigster "Zeitgeber" für den Körper - beeinflusse die Produktion von Melatonin: Das Hormon wird nur bei Dunkelheit produziert. Tierversuche hätten deutlich gezeigt, dass Melatonin vor Krebs schütze. Es sei zwar falsch, wenn man dieses Ergebnis einfach auf den Menschen übertragen wollte, betonte Erren. Es sei aber davon auszugehen, dass eine Veränderung des Melatoninspiegels das Risiko für eine Krebserkrankung erhöhen könne.

Bei dem noch jungen Forschungsfeld müsse auch das Thema Nahrungsaufnahme untersucht werden, sagte Erren. Diese sei bei Schichtarbeitern und Flugpersonal, das durch verschiedene Zeitzonen fliege, deutlich verändert.

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