Ärzte Zeitung online, 21.01.2009

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Forschung zur besseren Früherkennung

MÜNCHEN (eb). Bauchspeicheldrüsenkrebs wird nahezu ausschließlich im Spätstadium erkannt. Doch für eine rechtzeitige und erfolgreiche Behandlung ist eine Diagnose in möglichst frühen Stadien unabdingbar. Forscher der Technischen Universität München und des Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg nutzen jetzt Mausmodelle, um grundlegende Erkenntnisse über die anfänglichen Vorgänge bei der Entstehung dieser aggressiven Tumoren zu gewinnen.

Mit diesen Untersuchungen sollen neue Möglichkeiten für die Früherkennung und für ein rationaleres therapeutisches Eingreifen als bisher eröffnet werden. Das teilt die Wilhelm Sander-Stiftung mit, die das Projekt mit mehr als 170 000 Euro färdert.

Das Pankreaskarzinom ist einer der aggressivsten und bösartigsten Tumoren des Menschen. Einer der prominenten Betroffenen ist der US-Schauspieler Patrick Swayze.

Bei Pankreaskrebs entspricht die Sterberate fast der jährlichen Anzahl an Neuerkrankungen. Die meisten Patienten sterben innerhalb von sechs Monaten nach Diagnosestellung. Bei 85 Prozent der Patienten liegt zum Zeitpunkt der Diagnose bereits eine derart ungünstige Situation vor, die eine vollständige Entfernung des Tumors verhindert und somit nur eine lindernde Therapie ermöglicht.

Anlass zur Hoffnung geben Zahlen, die für eine Patientengruppe mit frühzeitig entdecktem Pankreaskarzinom eine 25 bis 30-prozentige verbesserte Überlebensrate nach chirurgischer Entfernung des Tumors belegen.

Aus diesem Grund ist ein Fokus der wissenschaftlichen Forschung auf eine verbesserte Früherkennung des Tumors in einem prognostisch günstigeren Stadium gerichtet. Zum anderen liegt ein Hauptaugenmerk der Forschung auf der Etablierung von Therapiestrategien von vergleichsweise früheren Tumorstadien als bisher. Die als Vorläuferläsionen bezeichneten Veränderungen des Pankreasgewebes stehen somit im Mittelpunkt des Interesses, da sie eine drohende bösartige Entartung ankündigen, sich aber noch als potentiell heilbar erweisen könnten.

Ziel des Projektes ist nach einer Mitteilung der TU München die Charakterisierung frühester zellulärer und molekularer Veränderungen bei der Entstehung von Bauchspeicheldrüsentumoren, mit einem Hauptaugenmerk auf Vorläuferläsionen und potentiellen Vorläuferzellen.

In den vergangenen Jahren beschäftigten sich unsere Arbeitsgruppen mit der morphologischen und molekularen Charakterisierung des Bauchspeicheldrüsenkrebses und seinen Vorläuferläsionen beim Menschen und auch mit den Interaktionen zwischen Tumorzellen und deren unmittelbarer Umgebung (Mikroumgebung). Unter anderem gelang es zu zeigen, dass die Tumorzellen die Zellen in ihrer Nachbarschaft derart beeinflussen, dass diese wiederum vermehrt Faktoren produzieren, die das Tumorwachstum begünstigen.

Die Mikroumgebung von Vorläuferläsionen sieht bereits verändert aus und scheint offensichtlich eine wichtige Rolle bei der weiteren Entwicklung des Tumors zu spielen. Da die Frühstadien beim Menschen selten für Untersuchungen zur Verfügung stehen, wurden verschiedene Tierversuche mit Mäusen gemacht, die die Frühstadien der Pankreaskarzinom-Entstehung bei Menschen auf morphologischer und molekularer Ebene nachvollziehen.

Als früheste Veränderungen werden in den kleine tubuläre Strukturen beobachtet, die teilweise nicht nur aus einer einzigen Zelllage wie Pankreasgänge im gesunden Gewebe, sondern aus mehreren und zunehmend ungeordneten Zellschichten aufgebaut sind.

Solche Veränderungen werden auch in der menschlichen Bauchspeicheldrüse beobachtet, wo sie tubuläre Komplexe und pankreatische intraepitheliale Neoplasien (PanIN) genannt werden. Neuesten Kenntnissen nach werden PanIN und auch tubuläre Komplexe als Vorläufer des Pankreaskarzinoms betrachtet.

Das jetzt angelaufene Projekt hat zum Ziel, die frühesten Stadien der Pankreaskrebs-Entwicklung zu untersuchen, um die molekularen Faktoren zu identifizieren, die eine Schlüsselfunktion bei der Entstehung der Vorläuferläsionen des Pankreaskarzinoms übernehmen.

Die Untersuchung von Bauchspeicheldrüsentumorgewebe von Patienten dient dazu, die im Tierversuch gewonnenen Daten auf Relevanz für den Menschen zu überprüfen. Mit diesen Untersuchungen sollen neue Möglichkeiten für die Früherkennung und für ein therapeutisches Eingreifen eröffnet werden.

Stichwort Wilhelm Sander-Stiftung

Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Millionen Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 gestorben ist.

www.sanst.de

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