Ärzte Zeitung online, 23.01.2009

Studie: CyberKnife bewährt sich bei Wirbelsäulentumoren

MÜNCHEN (eb). Die Therapie mit dem CyberKnife, einer einmaligen Hochdosisbetrahlung, hat sich bei spinalen Tumoren bewährt. Das ergab die nach Angaben der Universität München weltweit größte Studie zur Radiochirurgie ohne Metallmarker. Die Patienten profitieren, weil sie meist nur einmal und ambulant behandelt werden und die tumorbedingten Schmerzen rasch nachlassen. Außerdem ist im Vergleich zur Operation die Komplikationsrate niedriger.

Cyberknife: zielgenaue und schmerzfreie bildgeführte Roboter-Radiochirurgie

Foto: Europäisches CyberKnife Zentrum München Großhadern

Zwischen 2005 und 2007 wurden 102 Patienten mit ein oder zwei spinalen Tumoren am Europäischen CyberKnife-Zentrum München-Großhadern in Kooperation mit dem Klinikum der Universität München (LMU) behandelt. Bei den insgesamt 134 Tumoren handelte es sich um sekundäre bösartige Tumoren bei Patienten mit Brust-, Nieren-, Darm-, Prostata- und Lungenkrebs sowie Sarkomen.

Besonders auffällig war die rasche Schmerzreduktion bereits eine Woche nach der Bestrahlung des Krebsgewebes (Spine 26, 2008, 2929). Durch die nur einmalige Bestrahlung, die ambulant und ohne Medikation auskommt, verringern sich die Kosten gegenüber einer klassischen Operation erheblich. Auch die Komplikationsraten sind im Vergleich dazu niedriger.

Radiochirurgie bei Tumoren an der Wirbelsäule ist eine relativ neue Methode

Die spinale Strahlenchirurgie ist eine relativ neue Methode zur primären oder ergänzenden Behandlung von Tumoren an der Wirbelsäule. Ähnlich der neurochirurgischen Strahlenchirurgie des Gehirns ist dazu eine hohe Zielgenauigkeit nötig, da sich im Umfeld sehr strahlenempfindliche Strukturen, wie das Rückenmark, befinden.

Die natürliche Bewegung des Zielgebietes im Wirbelsäulenbereich, beispielweise durch die Atmung, stellt eine besondere Herausforderung dar, weil der Patient auf dem Behandlungstisch bei einer CyberKnife Behandlung nicht fixiert wird. Durch die Atembewegung verändert sich während einer Bestrahlung die Position der zu bestrahlenden Geschwulst.

Um diese räumlichen Veränderungen auszugleichen, benötigten die Systeme bisher invasive Markierungen. Dazu mussten in einem kleinen chirurgischen Eingriff Metallplättchen an der Wirbelsäule angebracht werden, die dann mit den bildgebenden Verfahren während der Bestrahlung eine Lageortung des zu bestrahlenden Gewebes ermöglichten.

Bei CyberKnife werden statt Metallmarkierungen knöcherne Strukturen zur Positionsbestimmung genutzt

Jetzt entfällt bei der CyberKnife Technologie die Notwendigkeit von Metallmarkern. Stattdessen werden knöcherne Strukturen genutzt, um eine dynamische Positionsbestimmung vorzunehmen (Xsight Spine Tracking System). Das System kann die Strahleneinheit jeweils auf das Zielgebiet adjustieren, indem es die Bewegungen von knöchernen Strukturen der Wirbelsäule misst und daraus in Echtzeit die Ortsberechnung des Tumors vornimmt. Damit wird die Behandlung schonender für den Patienten und zugleich sicherer, weil den Betroffenen ein chirurgischer Eingriff zur Implantation der Marker erspart bleibt und Schmerzen sowie eventuell dadurch auftretende Komplikationen vermieden werden können.

Die wichtigste Aufgabe der Strahlenchirurgie ist die homogene Bestrahlung eines festgelegten Zielvolumens. Dabei sollen die gesunden Körperteile in der Tumorumgebung so wenig wie möglich von Strahlen getroffen werden.

Um dies zu erreichen, wird zuerst ein Bestrahlungsgerät mit geeigneter Strahlenart und Energie gewählt und die Tumorregion aus verschiedenen Richtungen bestrahlt. Bei der CyberKnife Technologie rotiert die Bestrahlungseinheit um den Patienten - typisch sind bis zu 150 (aus 1200 möglichen) Einstrahlrichtungen pro Behandlung.

Durch die ionisierende, hochenergetische Photonen-Strahlung, die in einem Beschleuniger erzeugt werden, werden in den Tumorzellen Schäden am Erbgut (DNA) verursacht, die letztlich zum Zelltod führen. Die CyberKnife-Technologie steuert dabei die Bestrahlung so, dass die für die Krebszellen tödliche Dosis nur im Zielgebiet (Tumor) erreicht wird, das umliegende, gesunde Gewebe jedoch verschont bleibt oder durch die Photonen nicht nachhaltig geschädigt wird. Meist reicht eine einzige ambulante Behandlung mit einer mittleren Dauer von 60 Minuten aus. Die Bestrahlung ist schmerzfrei, eine Narkose nicht nötig.

Sofern durch den Tumor die Stabilität der Wirbelsäule beeinträchtigt ist, empfehlen die Wissenschaftler eine radiochirurgische Behandlung vor stabilisierenden Eingriffen wie einer Kyphoplastie, bei der etwa mit einem speziellen Biozement Wirbelbrüche behoben werden können.

www.cyber-knife.net

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »