Ärzte Zeitung online, 02.02.2009

Leberzellkarzinom: neue Kombitherapie erfolgreich in Zellkultur getestet

HEIDELBERG (eb). Eine neue Kombinationstherapie für die Behandlung des Leberzellkarzinoms haben Heidelberger Wissenschaftler erfolgreich in der Zellkultur getestet. Dazu kombinierten sie ein Apoptose auslösendes Protein mit einem Proteasom-Hemmer. Die Heidelberger Krebsforscher hoffen nun, dass sie mit dieser Kombination auch andere solide Tumore des Bauchraums behandeln können.

Im Versuch verwendeten die Forscher vom Universitätsklinikum Heidelberg die beiden Substanzen TRAIL und Bortezomib. Die Ergänzung ist nach Ansicht der Heidelberger optimal, da Bortezomib die Krebszellen sensibilisiert, während TRAIL (Tumor Necrosis Factor Related Apoptosis Inducing Ligand) das Signal zu Apoptose gibt.

Verschiedene im Labor hergestellte TRAIL-Verbindungen werden bereits seit einigen Jahren klinisch getestet, allerdings mit unterschiedlichem Erfolg: So waren erste Studien bei Lymphomen Erfolg versprechend. Auf solide Tumoren des Bauchraums sprach die Therapie aber weniger gut an. Deshalb setzten die Wissenschaftler Bortezomib (Velcade®) ein. Bortezomib blockiert das Proteasom-System, eine Art "Schredder" in der Zelle, der nicht mehr benötigte Eiweiße in ihre Einzelteile zerlegt. Wird der dieses System blockiert, werden auch die Stoffe nicht zerstört, die das Selbstmordsignal von TRAIL weitergeben. Die molekularen Mechanismen des Zusammenspiels zwischen TRAIL und Bortezomib beim Leberzellkarzinom wurden durch die Arbeiten von Dr. Ronald Koschny vom Uniklinikum Heidelberg aufgedeckt.

Seine Arbeiten zeigen auch, dass gesunde Zellen vor der kombinierten Wirkung aus TRAIL und Bortezomib geschützt sind. Da die Krebszellen im Vergleich zu gesunden Leberzellen einen erhöhten Stoffwechsel haben, fallen mehr Abfallprodukte an, die durch das Proteasom zerkleinert werden müssen. Darum werden gesunde Leberzellen von der Kombinationstherapie weitgehend verschont.

Das Leberzellkarzinom geht meist aus einer chronischen Schädigung der Leberzellen hervor und macht etwa sechs Prozent aller Krebserkrankungen beim Mann und etwa drei Prozent bei der Frau aus. Gefährdet sind Patienten, die an einer Leberzirrhose in Folge einer Infektion mit dem Hepatitis-B- oder C-Virus leiden. In der Wissenschaft werden aber auch genetische Ursachen diskutiert.

Ob die Therapie mit TRAIL und Bortezomib auch sinnvoll ist, wenn die Leberzellen bereits durch eine Infektion vorgeschädigt sind, untersuchen die Heidelberger Forscher aktuell. Bei Tumorzellen des Bauchspeicheldrüsenkrebses und des Dickdarmkrebses wurde die Kombinationstherapie ebenfalls erfolgreich in Zellkulturen getestet. Doch bis zur Anwendung in der medizinischen Praxis ist es noch ein weiter Weg: Im nächsten Schritt werden frische, direkt dem Tumor entnommene Zellen untersucht und die Verträglichkeit der Therapie im Mausmodell gesichert.

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